LITERARISCHE ORTE: Jean Paul in Bayreuth

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Alle Bilder: Birgit Böllinger

„Im durchsichtigen Netze seiner Phantasie fing sich jeder vorüberschießende Freuden-Zweifalter – dazu gehörte sogar ein erwachender gelber Schmetterling im Gartenhaus – jeder Stern, der stark funkelte – italienische Blumen, deren deutschen Treibscherben zwischen Schauls er auf der Gasse aufgestoßen – eine bekränzte, zwischen Andacht und Putz glühende Braut – ein schönes Kind – ein Kanarienvogel in der Webergasse, der mitten im deutschen Winter in Kanarieninseln und in Sommergärten hinüberschauen ließ – und alles.
Einst an einem Markttage hatt` er halb Italien mit einem ganzen Frühling um sich. Der Tag schien dazu erlesen zu sein. Es war ein sehr kalter und heller Winternachmittag, worin Mücken in den schiefen Strahlen spielen, als er im Hofgarten – den der gute Fürst jeden Winter dem Publikum öffnen ließ – die silbernen Schneeflocken der Bäume unter der blitzenden Sonne in weiße Blüten, die den Frühling überlüden, umdachte und darunter weiterspazierte. So plötzlich auf die Frühlings-Insel ausgesetzt, schlug er in die heitersten Wege ein. Er machte einen nahen an der Bude eines Sämereihändlers vorbei und hielt ein wenig vor dessen Budentisch, nicht um eine Düte zu kaufen – wozu ihm ein Beet fehlte, da alle seine Morgen Lands nur in seinem Morgenland bestanden -, sondern um den Samen von französischen Radiesen, Maienrüben, bunten Feuerbohnen, Zuckererbsen, Kapuzinersalat, gelbem Prinzenkopf zu denken und zu riechen und auf diese Weise (nach Vults Ausdruck, glaub ich) einen Vorfrühling zu schnupfen.“

Jean Paul, „Flegeljahre“, 1804/1805

So wie der selbstgenügsame Walt, der einfach die vielen kleinen Augenblicke lebt, und dem die Welt in seinem fränkischen Paradies genügt, so kann man sich vielleicht auch Jean Paul im Herbst seiner Jahre durch die Bayreuther Gassen flanierend vorstellen: Er, der Rastlose, der Immer-und-ewig-Verliebte, der sprunghaft Assoziierende, der weitschweifige Gedankengänger, hatte lange Lehr-, Wander- und Lebensjahre hinter sich, als er 1804 in die fränkische Kleinstadt übersiedelte. In Bayreuth lebte er dann, bis zum Ende seines Lebens 1825, die längste Zeit. Es waren wohl nicht die glücklichsten Jahre, geprägt von der krisengeschüttelten Ehe mit Karoline Mayer, vom Niedergang des Ruhms und finanziellen Nöten, vom Tod seines Sohnes Max und nicht zuletzt auch von gesundheitlichen Problemen, zu denen wohl auch sein außerordentlicher Bierkonsum beigetragen hatte.

Und dennoch: Gerade in den „Flegeljahren“ kommt dieses leichte, versponnene, den Tagträumen verhaftete Temperament des Johann Paul Friedrich Richter – unter diesem Namen wird Jean Paul am 21. März 1763 im oberfränkischen Wunsiedel geboren – wunderbar zum Ausdruck. Und man bekommt bei der Lektüre und einem Bummel durch Bayreuth auch heute noch eine Ahnung davon, warum Stadt und Schriftsteller so gut zueinander passten.

Bayreuth, das ist einerseits Provinz, ja. Klein und überschaubar. Und doch atmet hier durch die besondere Architektur und Geschichte, geprägt vor allem vom Markgrafenpaar Friedrich und Wilhelmine, ein besonderer Geist. Da hätte es nicht einmal eines Richard Wagners mit dem alljährlichen Rummel rund um den Hügel gebraucht. Der Bayreuther Rokoko gibt der Stadt rund um das neue Schloss mit seinem Hofgarten, dem Markgräflichen Opernhaus und der Friedrichstraße ein besonderes, ein anmutiges Bild. Und an sonnigen Tagen hat man hier auf dem Marktplatz tatsächlich ein Gefühl von Italien.

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Gartenhaus beim Jean Paul-Museum.

Jean Paul hatte es nach zahllosen Lebensstationen – unter anderem wohnte und arbeitete er in Leipzig, Weimar, Berlin und Meiningen – letztlich wieder in das Fränkische gezogen. In Bayreuth hatte er sich schon früh verliebt: Mit 18 Jahren kam er das erste Mal hierher, um eine Prüfung abzulegen – die Reise war mit einer ganz besonderen Erfahrung verbunden.

„In natura sah Jean Paul die Stadt erstmals nach seinem Abitur im Jahr 1781, als er von Schwarzenbach nach Bayreuth reiten mußte. Dort hatte er vor dem Kirchen-Konsistorium eine Prüfung abzulegen, um in Leipzig, d.h. außerhalb des Fürstentums Ansbach-Bayreuth, Theologie studieren zu dürfen. Auch der Ritt gehörte zum Pflichtprogramm und erwies sich für den Prüfling als der schwierigste Teil: Das Pferd wollte partout nicht wie der Reiter – eine Erfahrung von solcher Nachhaltigkeit, daß es Jean Pauls erster und einziger Ritt bleiben sollte.“

Das Zitat stammt aus dem wunderbaren „Jean-Paul-Taschenatlas“, herausgegeben von Bernhard Echte und Michael Mayer, der anlässlich des 250. Geburtstag dieses einzigartigen Schriftstellers im Jahr 2013 erschien. Der Atlas entstand im Zusammenhang mit einer Litfaßsäulenausstellung, die an 25 Orten stattfand – was allein schon die Beweglichkeit dieses literarischen Luftgeistes zeigt. Auf Überbleibsel dieser Ausstellung trifft man in Bayreuth glücklicherweise immer noch und mit dem Atlas (nochmals ein Dank an Herrn Hund für die Empfehlung) kann man sich auf die Spuren des Dichters machen: Gelegenheit auch für eine wunderbare Rundreise durch Sachsen, Bayern, Baden-Württemberg und Hessen, um in groben Zügen das örtliche Hin und Her Jean Pauls festzuhalten.

Doch wie gesagt: Dreh- und Angelpunkt der letzten 20 Lebensjahre war und blieb Bayreuth, der Stadt, der er schon zuvor immer wieder ein lobendes literarisches Zeugnis ausgestellt hatte, so im „Leben des Quintus Fixlein“ und im „Siebenkäs“ (1797):

„Die neueste kann erst kommen, nämlich Du selber zu mir nach Baireuth, wenn ich und der Frühling miteinander (denn übermorgen reis ich ihm nach Italien weit entgegen) wiederkehren und wir, ich und der Lenz, gemeinschaftlich die Welt auf eine Art ausschmücken, daß Du gewiß in Baireuth selig sein wirst, so sehr sind dessen Häuser und Berge zu loben.“

Auch wenn die Stadt nach seiner Übersiedlung dorthin Jean Paul bald zu eng wurde und seine Begeisterung merklich abnahm, hielt es in dort. Ausschlaggebend dafür dürfte wohl auch gewesen sein, dass seine zwei längsten, altvertrautesten Freunde dort wohnten: Der Jurist Christian Otto, der fast 30 Jahre lang der Mann war, der Jean Pauls Texte als erster lesen durfte und dessen Kritik er gerne annahm. Und der jüdische Kaufmann Emanuel, „eine Freundschaft auf den ersten Blick“, wie im Atlas zu lesen ist:

„Die Beziehung zu Emanuel gehört zu den erstaunlichsten Seiten von Jean Pauls Leben; es war eine Freundschaft auf den ersten Blick (…) Obwohl Emanuel als jüdischer Händler zu einer rechtlosen Klasse gehörte und keinen Zugang zu höheren Bildungseinrichtungen hatte, war er für Jean Paul von Beginn an ein ebenbürtiger Gesprächspartner – auch in literarischen und philosophisch-theologischen Belangen.“

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Dass er dort in Bayreuth seine Vertrauten hatte, zu denen er auch unabhängig von gesellschaftlichen Konventionen und einem gewissen höfischen Protokoll Kontakt haben konnte, dies mag für Jean Paul entscheiden gewesen sein. Hatte er sich doch oft genug schon als Außenseiter fühlen müssen: So beim Studium in Leipzig, das er nach dem frühen Tod seines Vaters nur mit Müh und Not finanzieren konnte. Dem Dünkel mancher Kommilitonen trat er durch auffallende Kleidung und extravagantes Verhalten entgegen. Und auch in Weimar – da war er schon einer der meistgelesenen Schriftsteller seiner Zeit nach dem Erscheinen des „Siebenkäs“, des „Quintus Fixlein“ und des vergnügten „Schulmeister Wutz“ – traf er auf Vorbehalte: Schiller und Goethe konnten mit diesem Freigeist und seinem mäandernden Stil wenig anfangen, sie lehnten seine Texte eher ab, wie auch Kurt Wölfel als Herausgeber eines Jean Paul-Lesebuchs (eine gute Heranführung an seine Texte) erläutert:

„Jean Pauls kompositorische Extravaganz hatte nicht nur alle Fürsprecher einer rationalistischen Regelpoetik gegen sich, auch die Weimarer Klassiker reagierten auf seine ästhetische Illegitimität mit Verdruß. Unter den „Xenien“, der Sammlung von Epigrammen, mit denen die Weimarer Klassiker ihr ästhetisches Programm polemisch gegen die Zeitgenossen erklärten, gibt es einige, die sich auf Jean Paul beziehen.“

Bayreuth also der Freundschaftshafen, der Ruhepunkt der letzten Jahre, auch wenn es ihn da selten an einem Ort hielt, er immer wieder die Behausung wechselte. Wobei die meisten Reisenden leider nicht wegen des Schriftstellers kommen – während in der benachbarten „Villa Wahnfried“ ein deutlicher Rummel herrscht, kann man sich im 2013 neu eingerichteten Jean-Paul-Museum in aller Ruhe umtun. Schade eigentlich, denn die Ausstellung ist bemerkenswert reichhaltig und sehenswert, gibt einen guten Abriss über Leben und Werk, Einblicke in das Privatleben dieses sensiblen Exzentrikers und bettet dies alles in historische Zusammenhänge ein. Ein Besuch ist sehr zu empfehlen. Und wer dann noch Zeit hat, sollte auf jeden Fall mit Jean Paul zur Rollwenzelei wandern: Hier verkehrte der Dichter fast täglich, dort fand er beim Bier die Ruhe zum Schreiben, oftmals auf der Flucht vor der fordernden Gattin.

 

2017_Bayreuth-141-1024x576Seine letzte Ruhestätte hat der Ruhelose natürlich auch in Bayreuth, ein unscheinbarer Gedenkstein, kaum vergleichbar mit dem Bombast der ebenfalls dort vorhandenen Grabstätten von Franz Liszt und den Wagner-Nachfahren.


Weitere Informationen:

Zum Einlesen: „Jean Paul. Das große Lesebuch“, herausgegeben von Kurt Wölfel, 2. Auflage 2013.

Zum Lesen und Reisen: „Jean Paul-Taschenatlas“, herausgegeben von Bernhard Echte und Michael Mayer, 2013.

Aktuelles zu Jean Paul bei der Jean-Paul-Gesellschaft.

Besuch im Jean-Paul-Museum Bayreuth und in der Rollwenzelei.


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Michael Klein: Mark Twain in Bayern

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Mark Twain mochte München. Auch im Winter. Bild von Michael Siebert auf Pixabay

„Eine deutsche Tageszeitung ist die traurigste sämtlicher menschlicher Erfindungen.“ 

Michael Klein (Hg.), „Mark Twain in Bayern“, Allitera Verlag, München, 2016. 

Mark Twain muss Bayern sehr zu schätzen gewusst haben. Ein Indiz dafür: Obwohl er insgesamt rund ein halbes Jahr seines Lebens unter weißblauem Himmel verbracht hatte, klammerte er den Freistaat (damals Königreich) aus seinem satirischen Reisebericht „Ein Bummel durch Europa“ – den er in München schrieb – weitgehend aus.

Dreimal in seinem 74jährigen Leben hielt sich der amerikanische Schriftsteller in Bayern auf: Mit seiner Familie verbrachte er 1878/79 einen Winter in München, eine zweite Reise führte ihn 1891 nach Nürnberg und Bayreuth und 1893 begleitet er seine Frau Olivia zur Kur nach Bad Tölz. Akribisch hat der Autor und Übersetzer Michael Klein die schriftlichen Spuren dieser Reisen zusammengetragen: Briefe und Reiseberichte, in denen Mark Twain von seinen Erlebnissen erzählt, aber auch die literarischen Erzeugnisse, in die das, was der Schriftsteller in Bayern erlebte, einfloss. Michael Klein, der bereits 2015 das Buch „Mark Twain in München“ (Morio Verlag)  veröffentlicht hat, ist Herausgeber das Bandes „Mark Twain in Bayern“, in dem erstmals alle „bayerischen Texte“ des Schriftstellers erschienen sind, manche davon in deutscher Erstveröffentlichung.

Mit staunenden Augen blickt Mark Twain auf „Bavarian Gemütlichkeit“, genießt die Weihnachtszeit und Lebkuchenseligkeit in München, versucht seine Deutsch-Kenntnisse aufzupolieren und insbesondere beim ersten Besuch eine veritable Schreibkrise zu überwinden. Was nach anfänglichen Startschwierigkeiten gelingt: Mark Twain kommt in München zur Ruhe, der „Bummel durch Europa“ nimmt zwischen Museums- Ausstellungsbesuchen (München galt auch damals schon als Kunststadt von sehr gutem Ruf) und dem Studium der Bräuche und Sitten langsam Gestalt an.

In seinen Briefen und privaten Texten schildert Twain seine täglichen Erlebnisse – er räsoniert über die Sinnhaftigkeit des Meldewesens für Ausländer, begeistert sich für die Tradition des Schäfflertanzes und mokiert sich aber ebenso auch über das örtliche Zeitungsangebot – für den Journalisten, der Zeit seines Lebens ein eifriger Zeitungsleser blieb, waren die deutschen Newspapers schlichtweg eine große Enttäuschung:

„Wenn man einen Münchner Bürger fragt, welches die beste Münchner Tageszeitung sei, wird er einem unweigerlich antworten, dass es nur eine einzige gute Münchner Tageszeitung gäbe und dass sie in Augsburg erscheine, das in einer Entfernung von etwa siebzig bis achtzig Kilometern liegt. Das ist ungefähr so, als würde man sagen, die beste New Yorker Zeitung erscheine irgendwo draußen in New Jersey. (…) Die gesamte, auseinandergelegte Zeitung ist nicht annähernd so groß wie eine einzige Seite des New York Herold. Natürlich ist sie beidseitig bedruckt, aber die Typen sind derart groß, dass der gesamte Inhalt in der Schriftgröße des Herold auf eine einzige Seite desselben gehen würde (…).“ 

Aber hätte er nicht nur versucht, Deutsch zu lernen, sondern auch das Bayerische, so hätte sein Urteil über alles andere sicher gelautet: „Passt scho!“.  Michael Klein stellt in informativen Einleitungen die Texte Twains aus Bayern in die richtigen biographischen und zeitgeschichtlichen Zusammenhänge. So wird auch verständlich, warum in dieses Buch die beiden Erzählungen Twains „Das Geständnis eines Sterbenden“ und „Der gestohlene weiße Elefant“ Eingang gefunden haben. In München besuchte Mark Twain 1879 ein Leichenschauhaus, damals durchaus eine selten zu findende Einrichtung. Hintergrund war die verbreitete Angst, scheintot begraben zu werden. Für den phantasievollen Geist Mark Twains die Inspiration zu einer Kriminalgeschichte, die in den Vereinigten Staaten spielt, ihren Ausgang aber in Bayern hat. Und der „weiße Elefant“, eine seiner berühmtesten Erzählungen, ist einfach ein Beispiel dafür, dass Twain in München seine Schreibblockade überwand und zu alter Form zurückfand – entstand die Erzählung doch in jenem ersten Münchner Winter.

Im Grunde hätte „die Weltstadt mit Herz“ auch einen großen Anteil im Reisebuch „Ein Bummel durch Europa“ haben sollen, wie Michael Klein schreibt,

„vergleichbar den Passagen über die Neckarfloßfahrt, Heidelberg oder die Tour durch die Schweiz, die lange Textstrecken in seinem im März 1880 erschienen Buch ausmachen. Mit Entwürfen über München hatte er begonnen, doch blieben seine Schilderungen sehr berichtsartig und während der Arbeit an seinem Buchmanuskript veränderten sich dessen Motive und Tonfall. Mark Twain verstärkte die fiktiven, flunkernden und humoristischen Elemente und am Ende stellte er fest, dass seine München-Texte sich in diesen Stil nicht mehr harmonisch würden einfügen lassen.“ 

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Natürlich darf die Konfrontation mit Wagner-Musik nicht fehlen. Bild von Mikhail Vachtchenk0 auf Pixabay

Dass Mark Twain dann einige Jahre später ausführlich über Franken schreibt, hängt damit zusammen, dass er für die „New York Sun“ von den Bayreuther Festspielen berichten sollte. Der Wagner-Kult: Eine Steilvorlage für den Satiriker, der aber als Privatmann, so Michael Klein, ein durchaus ambivalentes Verhältnis zur Oper und Richard Wagner im Speziellen hatte, das „von entsetztem Spott bis zu echter, leidenschaftlicher Begeisterung“ reichte. Gleichwohl ist „Am Schrein zu St. Wagner“ (in voller Länge auch hier zu finden) einer der unterhaltsamsten Texte zu diesem eigenartigen Phänomen:

„Gestern wurde „Tristan und Isolde“ gespielt. Ich habe alle Arten von Zuschauern gesehen – in Theatern, Opern, Konzerten, bei Vorlesungen, Predigten und Trauerfeiern – aber keine war der der Wagnerzuschauer in Bayreuth gleich in Bezug auf konzentrierte, ehrfurchtsvolle Aufmerksamkeit, absolute, versteinerte Aufmerksamkeit bis zum Ende eines Akts, mit der am Anfang des Akts eingenommenen Haltung vollkommen intakt. Man kann keine Bewegung der soliden Masse von Köpfen und Schultern entdecken. Man scheint mit den Toten im Dunkel eines Mausoleums zu sitzen. Man weiß, dass sie zutiefst erschüttert sind; dass es Zeiten gibt, wenn sie aufstehen wollen und ihre Tücher schwenken wollen und ihre Zustimmung hinausschreien wollen, und Zeiten, wenn ihnen Tränen herunterlaufen, und es wäre eine Erlösung, wenn sich ihre angestauten Gefühle in Seufzern oder Schreien entladen könnten; man hört jedoch keinen einzigen Laut bis sich der Vorhang schließt und die letzten Töne verklungen sind; dann erwachen die Toten auf einmal auf und erschüttern das Haus mit ihrem Beifall. Jeder Sitz ist im ersten Akt voll; es gibt keinen leeren im letzten Akt. Falls jemand auffallen will, soll er hierher kommen und sich inmitten eines Akts entfernen. Es würde ihn berühmt machen.“ 

Dass Michael Klein sich die Mühe gemacht hat, die Texte Mark Twains zu und aus Bayern zusammenzutragen und zusammenhängend zu präsentieren, dürfte nicht nur echten Twain-Experten gefallen – der Sammelband ist ein unterhaltsames Kompendium für alle Leser, die Twain UND Bayern mögen und Lust haben, mit liebevollem Spott auf dieses eigenartige Land zu blicken.

Informationen zum Buch:
„Mark Twain in Bayern“ erschien in der „edition monacensia“ im Allitera Verlag. Seit 2002 bringt Elisabeth Tworek, Leiterin der Monacensia, Literaturarchiv und Bibliothek der Landeshauptstadt München, ausgewählte Werke renommierter Münchner Autorinnen und Autoren des 19., 20. und 21. Jahrhunderts in der »edition monacensia« heraus.

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