Eduard Mörike – Gebet

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Bild von TheoLeo auf Pixabay

Gebet

Herr! schicke, was Du willst,
Ein Liebes oder Leides;
Ich bin vergnügt, daß Beides
Aus Deinen Händen quillt.

Wolltest mit Freuden
Und wolltest mit Leiden
Mich nicht überschütten!
Doch in der Mitten
Liegt holdes Bescheiden.

Eduard Mörike, 1867

„Die Welt im Rücken, werde ich nicht aufgeben. Die Hoffnung heißt: nie wieder manisch werden. Aber es mag mich noch einmal umhauen und hinaustragen, dann als quallig knochenloses Etwas heranspülen. Ich werde mir die Knochen schon wieder erarbeiten. Sollte ich eine weitere Manie haben, möge mir jemand dieses Buch in die Hand drücken. Sollte ich wieder dem Wahn verfallen, werde ich es als Schicksal hinnehmen. Ich meinte schon nach der zweiten Manie, eine dritte würde ich nicht überleben. Habe ich aber. Würde ich wieder. Ich mag mich wieder umbringen wollen, irgendwann. Dann werde ich dennoch weiterleben.
Dann werden diese Zeilen wie ein Gebet sein.“

Thomas Melle, „Die Welt im Rücken“, 2016.

Das Buch von Thomas Melle habe ich in den vergangenen Tagen zu Ende gelesen. Ob ich eine Rezension hier schreibe, weiß ich nicht. Derweil verweise ich auf den klugen Text bei Frank O. Rudkoffsky : „Durch die Tage fetzen, irrlichtern.“
Im Grunde kann man Franks Rezension nichts mehr hinzufügen. „Die Welt im Rücken“: Ein sprachlich, stilistisch beeindruckender Text. Und alles andere als Befindlichkeitsliteratur, auch wenn Thomas Melle eben über eine – seine manisch-depressive Erkrankung – schreibt: Da ist keine Koketterie, keine falsche Sentimentalität, kein falscher Ton zu finden. Melle erweist sich als der souveräne Erzähler, dem mit diesem Buch auch eines gelingt – er erschreibt sich die Souveränität über sein Leben zurück, über das diese Krankheit immer wieder die Herrschaft übernahm.
Und ich schließe mich den auf einigen Blogs bereits ausgesprochenen Wünschen an: Ich erhoffe mir für dieses Buch viele Leser.

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