Albert Ostermaier: Seine Zeit zu sterben

„Und Ödon überwand seine Angst und ging die Stufen hinab in den feuchten Keller, wo die Äpfel lagerten, die sündigen Äpfel, wo der Wein an der Wand ruhte, Blut von meinem Blut, in den Gefriertruhen das Fleisch vom Eis wartete, wo die Schinken an der Decke hingen, überzogen mit Zeit, wo die Fallen aufgestellt waren, wo die alten Koffer, aufeinandergeschichtet, eine Höhle gaben, wo die Zahlenschlösser alle Geburtstage verrieten, wo ein Raum verschlossen blieb, ein Raum, der tiefer führte, noch tiefer hinab, ein Raum (…)

Und die Sauna war dort, wo sie zusammen schwitzten, gegen die Sanduhr schwitzten, wo er allein saß, obwohl er es nicht durfte, und sich vorstellte, Gott ließe den Stuhl neben der Tür umfallen (…)“

Und so geht der Text fort, wo er fortgeht, wo diese Zitate nur Beispiele sind von vielen, vielen Zitaten, die zeigen, wie der Stil dieses Buches ist, dieses spannend gemeinten Buches, das ein Thriller sein soll, dieses geschriebenen Buches, das da…

Okay, jetzt ernsthaft: Albert Ostermaier liebt ganz offenbar Nebensätze. Er (oder sein Lektor) weiß, wie man Kommas richtig setzt. Das ist an sich schon eine bewundernswerte Kunst. Aber: Man muss sie nicht überstrapazieren. Wenn man beim Gang in den Keller am Ende der Treppe nicht mehr richtig weiß, was Ödon dort wollte (und wer ist überhaupt dieser Ödon?), dann muss das nicht allein an der mangelnden Aufmerksamkeit des Lesers liegen.

Albert Ostermaier, Dramatiker und Lyriker, ist in die Sprache verliebt. So sehr, dass er angesichts seiner Wortspielereien vergisst, seine Geschichte zu schreiben. „Seine Zeit zu sterben“ ist im Suhrkamp Verlag erschienen. „Ein packender, sprachmächtiger Thriller aus der Glitzerwelt Kitzbühels“, so verkündet es der Klappentext. Ich hätte gewarnt sein können.

„Niemand nimmt für bare Münze, was sich ein Verlag zur Anpreisung seiner Neuerscheinungen ausdenkt. Wenn jetzt ein neues Prosawerk des Münchner Schriftstellers Albert Ostermaier bei Suhrkamp als „rasanter Thriller“ angepriesen wird – was soll’s? Ärgerlich allerdings, wenn die Literaturkritik den Faden aufnimmt und angesichts „dieses packenden Romans“ („FAZ“) in Begeisterung ausbricht. Das Buch mit dem dramatischen Titel „Schwarze Sonne scheine“ ist weder spannend noch rasant und von einem Thriller Lichtjahre entfernt. Das, was Ostermaier mit kaum überbietbarer Redundanz erzählt, füllt auch keinen Roman.“
So war es im Spiegel 2011 zum Vorgängerroman „Schwarze Sonne scheine“ zu lesen.

Und was dort geschrieben ward, hat leider auch für den Kitzbühel-Roman seine Gültigkeit. Zwar wird jede Menge hochdramatisches Personal herangezogen – russische Mafiabosse samt Leibwächter und Killer, Schickeria in auffälligen Outfits, merkwürdige Priester, Skirennfahrer unter Pädophilie-Verdacht sowie ein wohlstands-verwahrlostes Kind. Der Plot dreht sich um eine Kindesentführung während der Streif, dem berühmten Abfahrtrennen. Ansonsten wedelt die Geschichte mal hierhin, mal dorthin. Was eine rasende Schussfahrt sein sollte, wird zum mühseligen Slalom durch Wortspielereien bis hin zum Sturz in die Klischee- und Kitschfalle:

„Die Sonne verspielte sich in den Eiswürfeln und labte sich an den Gesichtern der beiden Frauen, die sich ihr entgegenstreckten wie Blumenkelche zu Beginn des Frühlings nach einem unerbittlichen Winter.“

Dazu muss man wirklich nicht mehr viel sagen. Für mich war dieser Roman eine Enttäuschung. An Worten: Zuviel des Guten. Die FAZ hat dagegen einmal mehr sehr wohlwollend interpretiert. Freilich, das gibt auch Rezensent Jan Wiele zu: die Metaphorik der Lawine werde ziemlich überstrapaziert. Man könnte auch so sagen: Das Buch wird unter Metaphorik-Lawinen begraben.

PS: Der Roman hat mich persönlich sehr interessiert, weil Albert Ostermaier nicht nur einer der Träger des Bertolt-Brecht-Preises ist, den die Stadt Augsburg vergibt, sondern auch das 2006 ins Leben gerufene abc-Festival als künstlerischer Leiter verantwortete. Er stand für ein hervorragendes Programm, das Brecht nicht nur einer Kulturelite, sondern vielen Zielgruppen frisch und modern vermittelte.

Den Bertolt-Brecht-Preis verleiht die Stadt Augsburg seit 1995 in dreijährigem Turnus an Persönlichkeiten, die sich in ihrem literarischen Schaffen durch die kritische Auseinandersetzung mit der Gegenwart auszeichnen. Bisherige Preisträger waren: 1995 Franz Xaver Kroetz, 1998 Robert Gernhardt, 2001 Urs Widmer, 2004 Christoph Ransmayr, 2006 Dea Loher (zum 50. Todesjahr Brechts um ein Jahr vorgezogen), 2010 Albert Ostermaier und heuer, 2013 Ingo Schulze.

Vielleicht ist die „Langstrecke“ des Romans keine Gattung, die sich für jeden eignet. Albert Ostermaier hat sich als Lyriker und Dramatiker einen hervorragenden Namen gemacht, seine Romane scheinen jedoch nicht auf dieselbe Resonanz zu stoßen. Nochmals ein Blick auf Brecht: Dieser selbst schrieb zwar 48 Stücke, über 2300 Gedichte, über 200 Erzählungen –  aber eben nur drei Romane.


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Gerald Drews im Gespräch: Was macht ein Literaturagent?

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Bild von Free-Photos auf Pixabay

Ein kleine Unterbrechung der digitalen Pause – aber Leben ist eben das, was passiert, während man digitale Pausenpläne macht. Und schon wieder ist was passiert: Ich durfte den Literaturagenten Gerald Drews in Aktion erleben. Und habe ihn dann gleich mal zu einem Interview überredet. Weil ich selbst neugierig war: Was macht man eigentlich, so als Literaturagent?
Mein Dank gilt Gerald, der hier Einblick gibt in seinen Berufsalltag, in Herzensprojekte, berufliche Härten und Glückmomente.

Gerald Drews, 61 Jahre, ist Inhaber der Medien- und Literaturagentur Drews in Augsburg. Seine Kollegin Conny Heindl und er betreuen rund 50 Autoren in den Bereichen Belletristik, Ratgeber, Sach-, Kinder- und Geschenkbuch. Als Autor arbeitet er für die Musikredaktion von Readers Digest und hat selbst rund 150 Bücher mit einer Gesamtauflage von rund vier Millionen verkaufter Exemplare geschrieben, allerdings noch keinen Roman. Privat engagiert er sich im Vorstand der Literaturgruppe 42erAutoren. Wenn er nicht selbst schreibt oder Manuskripte liest, dann spielt er Tennis, schaut Fußball oder verbringt ein paar Tage mit seiner Frau, der Autorin Christiane Schlüter, im Harz.

Wie wird man eigentlich Literaturagent – ein Ausbildungsberuf ist das ja gerade nicht?

Purer Zufall. Wie so vieles in meinem Leben. Ich habe eine klassische Journalistenausbildung bei der Augsburger Allgemeinen genossen, war danach mehrere Jahre in unterschiedlichen Positionen in der Weltbild-Gruppe tätig, um mich Mitte der 1980er-Jahre selbständig zu machen. Ich habe mich damals selbst bei einer Agentur verdingt, weil mir die Akquise auf eigene Faust zu riskant erschien. Die Agentur hat mir zunächst jede Menge Aufträge für Illustrierte vermittelt, bis eines Tages die Anfrage kam, ob ich Lust hätte, ein Buch über Nachbarrecht zu schreiben. Ich bin ins kalte Wasser gesprungen – denn ich hatte vom Thema keine Ahnung. Und man war beim Verlag – immerhin Heyne – ganz zufrieden, so dass ich weitere Aufträge in dieser Richtung bekam. Irgendwann hätte ich innerhalb von einem Vierteljahr drei Bücher schreiben sollen, was natürlich nicht ging. Aber absagen wollte ich auch nicht; denn wer weiß, ob der Kunde wiederkommt. Das klassische Dilemma eines jeden Freiberuflers. Also habe ich ein paar befreundete Kollegen gefragt, ob sie mir bei der Recherche helfen oder sogar den einen oder anderen Titel ganz übernehmen wollen. So fing alles an.

Wie kamst Du zu diesem Metier? Und wie kamen die Autorinnen und Autoren zu Dir?

Es war mir, ehrlich gesagt, anfangs ziemlich egal, was ich schreiben oder vermitteln sollte. Denn ich hatte eine junge Familie zu ernähren. Rechtsratgeber waren zu jener Zeit durchaus angesagt und es gab anscheinend nicht allzu viele gute Autoren, die so etwas populär vermitteln konnten. Nach dem Nachbarrecht folgten Mietrecht, Scheidungsrecht, Bausparen, Alles ums Auto und weitere Ratgeber – mir machte das auch Spaß, Fachthemen lesbar aufzubereiten und weiterzuvermitteln.

Wohl gemerkt: alles in der Zeit vor dem Internet. Was ich überhaupt nicht machen wollte, war ein Auftrag für das Buch „Latein für Angeber“. Denn ich habe mein Abitur nur mit Ach und Krach geschafft, nicht zuletzt dank dieses Faches. Ich hab‘s dann doch gemacht und bis heute von diesem Buch eine halbe Million Exemplare verkauft.

Parallel dazu habe ich relativ schnell ein Netzwerk von Leuten aufgebaut, die von den unterschiedlichen Themen Ahnung hatten und habe selbst die Texte, sagen wir einmal, verfeinert. Viele Kontakte entstanden durch Zufall. Mundpropaganda. Das funktioniert bis heute. Als dann irgendwann das ZEIT-Magazin eine große Reportage über mich brachte, konnte ich mich vor Anfragen kaum retten. Manche Autoren von damals haben mich über viele Jahre begleitet.

Gerald

Literaturagent Gerald Drews. Bild: Arno Loeb

Gibt es eine klassische Vorgehensweise? Also: Kommen Autoren mit fertigen Manuskripten zu Dir und Du suchst den passenden Verlag? Oder betreust Du auch Autoren von der Idee bis zum Buch?

Manchmal kommt ein fertiges Manuskript, das man nur weiterzureichen braucht. Manchmal kommt nur eine Idee, die man beim gemeinsamen Brainstorming verfeinert und weiterentwickelt. Manchmal treten aber auch Verlage mit Wünschen an die Agentur heran: „Wir hätten da eine Idee – haben Sie vielleicht den passenden Autor?“ Das ist sehr angenehm, denn mit eigenen Ideen Verlage zu überzeugen, ist eine Ochsentour. Entweder die Idee passt nicht. Oder der Autor. Oder der Verlag hat gerade selbst so etwas in Planung. Man braucht an dieser Stelle eine enorme Frustrationstoleranz.

Es gibt immer mehr Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt, gerade auch im Sachbuchbereich. Hat sich Deine Arbeit deswegen in den letzten Jahren erschwert, wird es schwieriger, sich in der Masse mit Ideen durchzusetzen?

Das kannst du laut sagen. Aus meiner Sicht hat vor allem das Internet die Szene ziemlich verändert, aber auch das Fernsehen. Schau dir mal die Sachbuchlisten an! Du findest sehr viele prominente Namen. Ganz selten mal etwas Überraschendes wie zum Beispiel „Darm mit Charme“. Schwieriges Thema, unbekannte Autorin. Hat trotzdem prima funktioniert, einfach, weil das Buch das gewisse Etwas hatte. Aber oft setzt man auf Fernsehgesichter oder internationale Titel. Verlage sind Wirtschaftsunternehmen, sie investieren gut und gern in Spitzentitel. Für Neulinge bleiben oft nur ein paar Brotkrumen. Nur der prominente Spezialist zählt. So kommt es mir jedenfalls oft vor.

Warum sollten Deiner Meinung nach Autoren einen Literaturagenten aufsuchen? Welche Vorteile bringt das den Autoren?

Gerade als unbekannter Autor hast du kaum eine Chance, bei Publikumsverlagen Gehör zu finden. Es gibt einfach zu viele, die glauben, etwas zu sagen zu haben. Ich könnte jeden Monat fünf Coach-Konzepte unterbringen. Hinzu kommt: Verlage sind chronisch unterbesetzt, die Arbeit der Lektoren grenzt in vielen Fällen an Selbstausbeutung, die schleppen abends noch Manuskripte mit nach Hause, um sie dort zu lektorieren. Genauso wie wir in der Agentur eigentlich auch. Ganz zu schweigen von den Autoren, die dürfen ihren Stundenlohn gar nicht hochrechnen. Aber das nur nebenbei.

Zurück zu deiner Frage: Als Agent kenne ich die Türöffner. Ich weiß, welche Themen zu welchen Verlagen passen und wer die richtigen Ansprechpartner sind. Jemand, der den Markt nicht kennt, und davon gehe ich bei Autoren in aller Regel aus, kann diesen Dschungel kaum durchblicken. Natürlich nimmt eine Agentur Provision. Aber bedenkt ein Autor den Zeitaufwand, den er aufwenden müsste, ehe er selbst ein Buch unter Dach und Fach bringt? Hat er Ahnung von Buchverträgen? Weiß er es zu schätzen, sich während des Schreibprozesses Rat und Tat zu holen oder sich einfach mal auszuheulen oder besser noch: seine Freude zu teilen? Für all das sind wir da.

Was sind so die „Härten“ in Deinem Job, was bringt die Glücksgefühle?

Immer wieder gegen verschlossene Türen zu laufen, vor allem mit Manuskripten oder Autoren, von denen man felsenfest überzeugt ist. Das ist hart. Enttäuschungen vermitteln zu müssen. Nach vielen Monaten gemeinsamen Hoffens und Bangens erkennen zu müssen, dieses Thema will niemand haben. Es ist ja nicht nur die Zeit, die man als Agent aufwendet (immer im Hinterkopf, dass da im Hintergrund ein Autor mit klopfendem Herzen wartet). Es sind auch die Emotionen. Mit vielen unserer Autoren sind wir befreundet. Das entsteht einfach durch die Arbeit. Und Freunde will man nicht enttäuschen.

Mit den Glücksgefühlen ist es natürlich das genaue Gegenteil: Wenn du etwas unterbringst, wenn der Anruf von einem Verlag kommt: Das machen wir! Wenn der Vertrag unterschriftsreif vor einem liegt – das hat schon etwas. Und erst recht, wenn sich ein Titel dann auch noch gut verkauft. Hart ist es natürlich auch, wenn man einen Titel untergebracht hat und der dann nicht läuft. Das ist leider eher die Regel als die Ausnahme.

Auf welches Buchprojekt warst Du am meisten stolz?

Für mich sind zunächst einmal alle Projekte mehr oder minder gleich wichtig. Klar gibt es ein paar, bei denen aufgrund des Themas mehr Herzblut drin steckt als bei anderen. So richtig stolz war ich zuletzt auf ein Buch mit dem Titel „Mein Sommer mit den Flüchtlingen“. Die Autorin Beatrice Bourcier hat innerhalb weniger Tage aufgeschrieben, was sie als Ersthelferin in ihrem kleinen Dorf erlebt hat. Ein Dutzend großer Verlage hat den Titel abgelehnt, vor allem weil man sich nicht in der Lage sah, ihn zeitnah zu veröffentlichen. Ein kleiner Verlag, ich denke, ich darf ihn an dieser Stelle nennen, Brandes & Apsel aus Frankfurt, hat uns das Vertrauen geschenkt, obgleich wir einander überhaupt nicht kannten. Erst dieser Tage habe ich eine tolle Besprechung des Buches von Rupert Neudeck, dem Gründer von Cap Anamur, erhalten. So etwas zählt natürlich zu den Highlights.

Gibt es ein Projekt, an dem Dein Herz und Kopf hingen, das aber nicht verwirklicht werden konnte?

 Ja, das gibt es auch. Ich bin ein lebendes Lexikon in Sachen populärer Musik, vor allem in Sachen Schlagern. Frag mich nicht, warum. Was ich ganz besonders faszinierend finde, ist die Biografie des Sängers Peter Orloff. Mal davon abgesehen, dass er ein ausgesprochen sympathischer Mensch ist, hat er wirklich ein faszinierendes Leben. Ein Vorfahre von ihm etwa, Graf Orlow, war der Geliebte von Katharina der Großen. Sein Vater kämpfte an der Seite der Weißen gegen die Roten während der Oktoberrevolution. Später gründete er den Schwarzmeerkosakenchor, in dem Sohn Peter schon als 14jähriger sang – übrigens an der Seite von Ivan Rebroff. Danach wurde er einer der erfolgreichsten Schlagersänger der späten 60er- und frühen 70er-Jahre. Und trotzdem will keiner diese Biografie haben. Daran bin ich echt verzweifelt.

Und welches Buch der letzten Jahre hättest Du gerne betreut?

Ich habe mit viel Vergnügen die Autobiografie von Rod Stewart gelesen. Ich mag diesen alten Haudegen einfach. Ich kann mir vorstellen, dass so ein Abend im Pub mit ihm höchst vergnüglich sein könnte. Wobei ich natürlich alkoholtechnisch gegen ihn keine Chance hätte. Nach zwei Guinness ist bei mir Feierabend. Wenn die Zusammenarbeit an dem Buch so unkompliziert wäre, wie sich Roddie gibt, hätte das wohl Spaß gemacht. Andererseits sind Prominente, oder besser: deren Berater, dann doch nicht immer ganz so einfach zu betreuen.

Jetzt frage ich noch den Literaturmenschen als Privatmann: Welches Buch wünschst Du Dir unter den Weihnachtsbaum?

 Wenn wir schon bei Autobiografien von Musikern sind: die Erinnerungen von Mike Rutherford fehlen mir noch in meiner Sammlung. Er ist nicht nur Mitglied bei Genesis, sondern mit seiner eigenen Band Mike & The Mechanics selbst äußerst erfolgreich. Ich mag nicht nur deren Musik, sondern mich würde auch interessieren, was es da alles so hinter den Kulissen zu erzählen gibt. Die richtige Lektüre zwischen den Feiertagen. Aber da habe ich mich jetzt für „Dictator“, den hochgelobten Cicero-Roman von Robert Harris entschieden.

Nachspann:

Die Homepage von Geralds Agentur – findet ihr hier:
http://gerald-drews.de/

Und wer – so wie ich – mit dem Namen Peter Orloff zunächst nicht viel  anfangen kann – das Gesicht erkennt man sofort wieder, wurde man in den 70er/80ern musikalisch sozialisiert:

http://www.peterorloff.de/

Buchinformationen zu „Mein Sommer mit den Flüchtlingen“:

Brandes & Apel Verlag

LITERARISCHE ORTE: Das virtuelle Literaturhaus Augsburg.

 

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Bild: Literaturhaus Augsburg

Beinahe jede größere Stadt hat mittlerweile ein Literaturhaus – in der Geburtsstadt von Bertolt Brecht suchte man danach bislang vergebens, das Brecht-Haus ist mehr Museum denn Veranstaltungsort, zudem konzentriert sich das öffentliche Literaturleben meist auf das Bekannte, auf die etablierten Namen und Autoren. Eine Gruppe kreativer Leser resp. lesender Kreativer will das ändern – seit September 2014 gibt es das Literaturhaus Augsburg, derzeit jedoch vorwiegend virtuell.

Mithilfe engagierter und kulturbegeisterter Bürger, mit Unterstützung durch Stadtpolitik und der Privatwirtschaft will die Initiative Literaturhaus Augsburg der Literatur möglichst einen festen Raum eröffnen, ein festes Haus einrichten. Bislang muss das Virtuelle – www.literaturhaus-augsburg.de – noch mit dem Realen verbunden werden: Bis ein „echtes“  Haus realisiert ist, gibt es Literatur an wechselnden Orten und im virtuellen Bereich.

Dr. Stefan Bronner stellt das Projekt so vor:
„Uns ist die Verbindung von Literatur und Geheimnis wichtig. Literatur soll zudem von ihrem verstaubten Image befreit werden. Aus diesem Grund haben wir einen anderen Kanon. Wir kennen aus erkenntnistheoretischen Gründen keinen Unterschied zwischen U und E Literatur, zwischen „natürlich/echt“ und „artifiziell/unecht“ und zwischen „Oberfläche“ und „Tiefe“. Wir betrachten Literatur als spirituelles Zaubermittel, als Gottesersatz. Wir sehen in Literatur das Potential, den spirituellen Trieb des Menschen zu befriedigen.“

„Wir haben uns über den Präsentationsmodus von Literatur Gedanken gemacht. Grundlegende Änderungen in diesem Bereich sind uns ein zentrales Anliegen. Geringe Publikumszahlen liegen nicht unbedingt im Gegenstand begründet, sondern auch in der Art und Weise der Vermittlung von Literatur. Auf eine kurzweilige und etwas andere Präsentation legen wir – wie bereits aus unserem von Nietzsche entlehnten Motto ersichtlich wird – deswegen besonderen Wert.

Man träumt gar nicht, oder interessant – Man muss lernen, ebenso zu wachen: – gar nicht, oder interessant. Friedrich Nietzsche

Wir planen zum Beispiel Lesungen an ungewöhnlichen Orten. Dabei soll sich der Autor auch nicht nur vor sein Publikum setzen, aus seinem Buch vorlesen und später Autogramme geben. Wir wollen auch Seminare zu kreativem Schreiben anbieten, wofür – wie man bei anderen Häusern wie dem Literaturhaus in München sehen kann – eine große Nachfrage existiert. Literatur ist im Idealfall eine Mischung aus guter Unterhaltung und Denkanstößen. Dies sind hohe Ziele, die wir uns bei der Konzeption unseres Angebots setzen. Im Moment reifen viele Dinge, wir sind in einer Umbruchsphase und müssen die derzeitigen Entwicklungen als Chance für die Etablierung unseres Hauses und damit einhergehende neue kulturelle Formate begreifen.“

Vorerst steht ein realer, nicht-virtueller Literaturabend am 11. April in Augsburg an. Und dann finden sich hoffentlich noch viele weitere Unterstützer für ein Literaturhaus in Augsburg. Doch das Team um Stefan Bronner ist zuversichtlich: „Das hat in kleineren Städten auch funktioniert, warum sollte sich das nicht in Augsburg realisieren lassen?“ Erste Zeichen (siehe Bilder) haben die Literaturaffinen bereits bei einer kurzfristigen literarischen (und natürlich legalen) „Hausbesetzung“ gesetzt.

Wir wünschen viel Erfolg. Und wer sich direkt informieren oder auch unterstützen will, hier geht es zum Kontakt: http://www.literaturhaus-augsburg.de/

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LITERARISCHE ORTE: Essen mit Oskar Maria Graf.

 

 

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Bild: Birgit Böllinger

Wer in München unter dem Stichwort „Oskar Maria Graf-Denkmal“ nach einer Statue sucht, wird vergeblich suchen. Die Münchner haben dem Schriftsteller, der eng mit ihrer Stadt verbunden ist, ein ganz eigenes, ihm angemessenes Andenken gesetzt – sozusagen ein ganzes Kaffeehaus als Kulturort und Denkmal zugleich. Das hätte Graf, bayerisches Urgestein und Weltbürger zugleich, der den leiblichen Genüssen durchaus zugeneigt war, mit Sicherheit gefallen.

Geschaffen wurde es im Auftrag der Stadt und des Kulturbaufonds von der New Yorker Künstlerin Jenny Holzer. Ihr Konzept: Zitate aus Texten des Schriftstellers wurden in den Raum integriert, sind auf dem Mobiliar und den Gebrauchsgegenständen zu finden. Wer beispielsweise einen Kaffee trinkt, wird am Boden der Tasse nicht nur aus dem Kaffeesatz lesen können, sondern auch ein Graf-Zitat. 1997 wurde das Denkmal im Kaffeehaus, das sich im Münchner Literaturhaus am Salvatorplatz befindet, eingeweiht.

Das ist schön anzusehen, echte Fans können via Literaturhaus sogar ein Oskar Maria-Graf Gedeck erstehen und tragen damit zum Erhalt des Denkmals bei.

Was jedoch der gelernte Bäcker, der 1911 jedoch aus dem familiären Betrieb am Starnberger See in die bayerische Landeshauptstadt flüchtete, zum gastronomischen Konzept der Brasserie heute gemeint hätte – man kann nur spekulieren. Vielleicht hätte er – wie mein zehnjähriger Begleiter heute – irritiert auf Pasta- und Risotto-Variationen geguckt und dann resolut nach „Spätzle mit Soße“ verlangt. Eine der Lieblingsspeisen des Bäckersohnes war nach Auskunft seiner Witwe übrigens der Zwetschgendatschi. Und von dem behaupten die Augsburger, seit jeher im Clinch mit der nahegelegenen Landeshauptstadt München, er sei ihre Erfindung – weswegen Augsburg von den Münchner gerne auch etwas herablassend-spöttisch als „Datschiburg“ bezeichnet wird. Aber das ist eine ganz andere Geschichte und hat mit OMG gar nichts zu tun.

 

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