Andreas Föhr: Tote Hand

Bild: Florian Pittroff

Gastautor Florian Pittroff bringt heute wieder einmal etwas für die Freundinnen und Freunde der Spannungsliteratur. Obacht!

„Tote Hand“ ist bereits der achte Teil der genialen oberbayerischen Krimi-Reihe mit dem sachlichen Kommissar Wallner und dem etwas unbeständigen Polizisten Kreuthner. Wie alle andern Teile auch spannend, reizvoll und wunderbar amüsant geschrieben. Dabei bleiben witzige Dialoge niemals auf der Strecke.

(…) Und in dem Moment spannt der Fuchs, dass mir hinschauen, und haut ab.« Kreuthner hob die Hände, und die Geste besagte in etwa: Was es nicht alles gibt. »Schöne Geschichte. Und was ist wirklich passiert?« »Ja, glaubst am Polizeikollegen vielleicht net? Jetzt wird’s aber hint höher wie vorn.« (…)

Mich überzeugt der Schreibstil von Andreas Föhr. Ich bin ein Fan der kurzen Kapitel, die immer wieder zum Weiterlesen animieren, so dass man fast versucht ist, das Buch bis zum Ende nicht mehr aus der Hand zu legen.

Darum geht’s:

„Kommissar Clemens Wallner von der Kripo Miesbach und Polizeiobermeister Leonhardt Kreuthner, liebevoll „Leichen-Leo“ genannt, bekommen alle Hände voll zu tun, als ausgerechnet der Schafkopf-Held Johann Lintinger durch eine Schrottschere seiner rechten Hand beraubt wird. Ein würdiges Begräbnis muss her für diese legendäre Rechte, beschließt Polizeiobermeister Leonhardt Kreuthner, und so wird gleich neben einer alten Kapelle, die hinter dem Garten der Mangfall-Mühle steht, ein Grab ausgehoben. Dabei macht »Leichen-Leo« seinem Spitznamen mal wieder alle Ehre, denn der Ruheplatz ist bereits belegt: von einer männlichen Leiche“…

Die „Tote Hand“ ist auf den ersten Blick sehr komplex und vielschichtig. Aufbau, Entwicklungen und Verknüpfungen an den verschiedensten Orten – ausgehend von Berlin, über Miesbach, Waakirchen, Rottach-Egern und zurück nach Berlin – sind vortrefflich. Der gelernte Jurist Föhr schreibt seine Story mit Handlungen in der Gegenwart und in der Vergangenheit blitzgescheit und zum Schluss wird logisch aufgelöst.

Nicht zu vergessen die Geschichte in der Geschichte über die schrulligen und sonderbaren Zusammenhänge im Privatleben von Wallner mit Großvater Manfred.

(…) Wallners Großvater hatte sich verändert. (…) Zum Beispiel rasierte er sich jeden Tag. Bis vor einem halben Jahr hatte einmal die Woche genügt. Und er setzte sich in die Sonne. Der letzte Sommer hatte viel Sonne gebracht, und Manfreds faltiges Gesicht hatte eine sportliche Bräune bekommen. (…)

Andreas Föhr braucht keine blutigen Gewaltszenarien, Kommissar Wallner und der Polizist Kreuthner müssen keine coolen Cops mit aalglatter Uniform und überheblichem Gehabe sein, um beim Leser zu punkten. Die beiden leben durch ihren herrlich ehrlichen Charakter, den Andreas Föhr ihnen angeschrieben hat und das nun schon zum achten Mal.

Ich bin ein wahrer Hardcore-Fan von Andreas Föhr und seinen Wallner und Kreuthner Krimis!

Florian Pittroff

Homepage: https://flo-job.de/

Informationen zum Buch:

Andreas Föhr
Tote Hand
Verlag Droemer Knaur, 2019
Paperback, 384 Seiten, 14,99 €,
ISBN: 978-3-426-65447-7

Andreas Föhr: Eifersucht

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Bild: Florian Pittroff, https://flo-job.de/

„Es deutet alles auf eine Beziehungstat hin“

Der neue Krimi „Eifersucht“ von Andreas Föhr hat echtes Suchtpotential!

„Eifersucht“ ist der zweite Fall mit der Münchner Anwältin Rachel Eisenberg. Und ich lege mich fest: „Eifersucht“ ist noch besser, noch ausgereifter als der erste „Eisenberg Krimi“. Echtes Suchtpotential!

Mit geschickten Kniffen und Tricks baut Andreas Föhr die Story auf. Der Roman beginnt mit einem Prolog, genauer gesagt mit einer Geschichte, die fünf Jahre zurückliegt. Diese eingeschobenen Rückblenden ziehen sich durch die gesamten 427 Seiten des Buches und geben interessante Einblicke und immer wieder auch neue Erkenntnisse für den eigentlichen Fortgang des Falles. Zwischen Rückblenden und der Gegenwart entspinnt sich so eine hochspannende Geschichte.

Was ich an Andreas Föhr besonders schätze, sind zum einen die kurzen Kapitel, die einem das Lesen ungemein erleichtern und zum anderen die spannungsfördernden Cliffhanger, die den Leser neugierig auf das weitere Geschehen machen: „Auf dem iPad blinkte eine Nachricht“. Welche Nachricht hat die Protagonistin bekommen, was steht drin, gibt es Aufklärung. Ende des Kapitels. Umblättern und weiter geht es im Text.

Wie auch schon bei den Wallner & Kreuthner-Krimis zieht einen das Buch sofort in seinen Bann. Ich habe selten Krimis gelesen bei denen man so schnell mitten drin ist im Geschehen und nicht nur dabei: Zwei Seiten gelesen und man kann eigentlich nicht mehr aufhören. Ein gewitzter Handlungsablauf und eine starke und sympathische Protagonistin bescheren dem  Leser ein uneingeschränktes Lese-Vergnügen.

Und darum geht`s: Judith Kellermann, die Mandantin von Anwältin Rachel Eisenberg, soll ihren Lebensgefährten Eike Sandner aus Eifersucht in die Luft gesprengt haben. Als Reste des verwendeten Sprengstoffs bei ihr gefunden werden, liefert Kellermann eine abenteuerliche Erklärung: Ein geheimnisvoller Ex-Soldat soll den Mord begangen und die Beweise manipuliert haben. Doch der Mann ist seit der Tat verschwunden. Niemand scheint ihn zu kennen. Existiert er nur in Kellermanns Phantasie? Falls nicht: Wer ist der Unbekannte und was treibt ihn an?

Auch der Schreibstil des Autors ist präzise beschreibend und nicht ohne Humor:
„Wittmann war regelrecht aufgekratzt. Die Vorfreude auf die Vernehmung der Zeugen oder genauer gesagt über Rachels bevorstehende Niederlage in dieser Haftprüfung umgab sie wie ein Mückenschwarm“.

Das Ende ist dann auch nicht zwingend vorhersehbar. Und so steht einer spannenden (Urlaubs)Lektüre nichts im Weg. Ich habe mir das Buch eigentlich als Urlaubslektüre vorgemerkt, wollte nur kurz reinlesen und war in zwei Tagen durch – vor dem Urlaub.

Ein Beitrag von Florian Pittroff
www.flo-job.de

Andreas Föhr: Eifersucht
Klappenbroschur, Knaur HC
01.06.2018, 432 S.
ISBN: 978-3-426-65446-0

Andreas Föhr: Schwarzwasser

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Bild: Florian Pittroff, https://flo-job.de/

Florian Pittroff outet sich als echter Fan. Und meint: Der neue Wallner & Kreuthner – Krimi von Andreas Föhr ist wie die letzten auch: Echt überragend!

Als Kommissar Wallner die Nachricht erhält, man habe die Leiche eines alten Mannes gefunden, bleibt ihm beinahe das Herz stehen: Seit Stunden ist sein Großvater Manfred abgängig. Am Tatort angekommen, stellt Wallner erleichtert fest, dass Manfred wohlauf ist – er und Polizeiobermeister Kreuthner haben den Toten – Klaus Wartberg – entdeckt. Am Tatort findet sich auch eine verstörte junge Frau, die die Tatwaffe in der Hand hält. Schon bald stellt sich heraus, dass der Ermordete gar nicht tot sein dürfte. Ihn hat es nämlich nie gegeben. Wer also war der Tote wirklich? Was verbindet ihn mit der jungen Frau? Und warum musste er eine andere Identität annehmen?

Es ist wie bisher bei allen Krimis von Andreas Föhr: Der Leser ist ab der ersten Zeile drin im Geschehen. „Schwarzwasser“ entblättert sich in zwei Handlungssträngen. Diesmal sind 20 Jahre dazwischen. Zum einen befindet man sich im Jahr 1996 und es wird die Geschichte eines Strafverteidigers erzählt, der nicht so erfolgreich ist, aber es werden kann. Der 2. Erzählstrang sind die laufenden Ermittlungen in Miesbach. Föhr verknüpft beide Handlungsstränge gekonnt, spannend und logisch. Nach und nach entwickeln sich die Geschichte, dem Leser erschließen sich Kapitel für Kapitel die kleinen und großen Zusammenhänge.

Wie immer sind die Kapitel knapp gehalten und der Leser wird beständig weiter in die Geschichte hinein gezogen. Interessanter Kniff: Die Spannung mit einem kleinen Teaser am Ende des Kapitels richtig hochhalten. Noch dieses Kapitel und dann noch das nächste – und eh man sich versieht, hat man schon den halben Roman verschlungen.

Man denkt, man ist dem Täter auf der Spur – Täuschungsmanöver des Autors – ein Kapitel lese ich noch – aber dann –  und dann kommt noch eins. Selten einen Roman in der Hand gehabt, der mich so in den Bann gezogen hat: garniert mit witzigen Dialogen und trockenem Humor:

Mit einem Mal tauchten drei Gestalten wie aus einem Theaterstück vor ihm auf. Ein Mann in Lederhose und Lodenkotze, Gamsbart am Hut (…).Neben ihm eine Frau mit Pelzmantel-Imitat, unter dem sie ein glitzerndes Paillettenkleid trug (…). Und  schließlich – der Tod mit Sense in der Hand. Alle drei sahen Wallner an und schwiegen. „Ich hab mir Sorgen gemacht“, sagte Wallner zum Sensenmann.

Erneut ein raffinierter Plot! Die beiden Protagonisten, das Tegernseer Ermittler-Duo, Kommissar Clemens Wallner und Polizeiobermeister Leonhardt Kreuthner, sind in ihrem mittlerweile 7. Kriminalfall voll aufeinander eingespielt. Alle Personen sind grandiose Charaktere. Die Handlung ist klar, logisch und hat einige sehr überraschende Wendungen parat.

Die Kriminalromane von Andreas Föhr sind einerseits witzig und unterhaltsam, andererseits spannend und fesselnd,  sehr gut geschrieben und kommen – ganz wichtig – ohne grausige Brutalität aus. Ideale Sommerurlaubslektüre!

Text & Bild: Florian Pittroff
www.flo-job.de

Verlagsinformationen zum Buch:
https://www.droemer-knaur.de/buch/9253989/schwarzwasser

Andreas Föhr: Eisenberg

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Ein Gastbeitrag von Florian Pittroff, www.flo-job.de

Die Tegernsee-Krimis von Andreas Föhr habe ich verschlungen und war deshalb anfänglich doch eher skeptisch – warum jetzt was Neues? Kommissar Wallner und sein ewig grantelnder Kollege, Polizeiobermeister Kreuthner kommen doch gut an. Lokalkolorit, Spaß und doch spannende Krimilektüre. Jetzt also Frau Dr. Rachel Eisenberg. Die Ermittlerin diesmal eine Anwältin und der Schauplatz in München.

Lange Rede, kurzer Sinn: Andreas Föhrs neues Buch „Eisenberg“ hat zwar nichts mit den erfolgreichen Wallner- und Kreuthner-Geschichten zu tun, ist aber mindestens genauso gut. Der Autor hat eine neue Figur geschaffen, die nicht nur sein juristisches Fachwissen teilt, sondern auch seinen Glauben daran, dass jeder, ob schuldig oder nicht, einen Verteidiger verdient, der ganz auf seiner Seite steht. Und die Handlung wird ebenso spannend und gut erzählt wie bei den Tegernsee-Krimis. Föhr lässt seine Leser anfangs immer wieder zwischen zwei Handlungssträngen hin und her springen. Dadurch baut sich Spannung auf, da Föhr sehr genau weiß, wann er die einzelnen Kapitel beenden muss. Die Kapitel sind relativ kurz und so hat man als Leser das Gefühl, das Buch nicht mehr aus der Hand legen zu können. Man wird immer weiter in den Bann und in die Geschichte selbst hinein gezogen. Diesen schriftstellerischen Kniff habe ich schon bei den vorherigen Büchern von Andreas Föhr sehr geschätzt.

Dr. Rachel Eisenberg ist Mitinhaberin einer angesehenen Münchner Kanzlei, frisch getrennt und Mutter einer 13-jährigen Tochter. Ihr neuer Fall soll eigentlich nur ein bisschen Medienpräsenz bringen – ein Obdachloser, der eines äußerst gewalttätigen Mordes verdächtigt wird. Als Rachel den Verdächtigen das erste Mal trifft, glaubt sie an eine Erscheinung. Sie kennt diesen heruntergekommenen Mann – und zwar sehr gut. Heiko war vor vielen Jahren ihr Lebensgefährte und einst ein erfolgreicher Wissenschaftler…

„Eisenberg“ ist ein herrlicher Krimi, ist gut überlegt und lässt viel Platz für Argwohn, Verdacht und Misstrauen. Die Spannung steigt, neue Vermutungen kommen auf, der Fall scheint gelöst, immer wieder glaubt man, man ist dem richtigen Mörder nun endlich auf der Spur. Oder doch nicht? Neue Wendungen, wichtige Indizien tauchen auf, falsche Fährten und das Ende: ganz großes Kino! Denn irgendwie war dann doch alles ganz anders. Ein geniales Buch, das auf spannende weitere Bände hoffen lässt.

„Eisenberg“ erschien im Juni 2016 bei der Verlagsgruppe Droemer Knaur, mehr Informationen hier:
http://www.droemer-knaur.de/buch/8848329/eisenberg

Noch zwei kurz&knapp-Krimi-Tipps:

Bannalec, Jean-Luc: „Bretonische Verhältnisse“ (2012)

Aus Paris an „das Ende der Welt“ versetzt: So landet Monsieur le Commissaire Dupin in Concarneau, der „blauen Stadt“ in der Bretagne. Und auch wenn das Flair der Metropole fehlt – Dupin lernt die raue Küste, das buchstäblich wetterwendische Wetter, das strahlende Licht, das Maler wie Gauguin anlockte, und vor allem die Bretonen kennen und schätzen. Der erste Mordfall, mit dem der Autor (Jean-Luc Bannalec ist ein Pseudonym) seinen Kommissar einführt, ist ein Pageturner – klug inszeniert, mit einer anregenden Geschichte und überraschenden Wendungen. Im Künstlerdorf Pont Aven wird der Besitzer eines Hotels, in dem schon Gauguin übernachtet hatte, erstochen. Kunst & Geld: Eine ungute Mischung. Der Krimi macht Spaß – und vor allem reiselustig: Man möchte beim Lesen das Licht der Bretagne sehen, von dem die Maler seinerzeit schwärmten.

Inzwischen ist Dupin ein Serienermittler – Informationen zu den weiteren Büchern beim Verlag: Jean-Luc Bannalec

Kutscher, Volker: „Der nasse Fisch“ (2007).

13533119_2069320499959157_157762310647540263_nErster Band einer Reihe um einen Kriminalkommissar im Berlin der 1920er und 30er-Jahre. Die Atmosphäre stimmt, die Stories sind spannend – auch wenn ich es bei Krimis gerne kürzer und knapp mag.
Doch fühlt man sich gut in das Berlin der Weimarer Republik zurückversetzt, die Milieuschilderungen sind stimmig – der Weg führt Kommissar und Leser durch Proletarierviertel, in Halb- und Vollweltklitschen, in deutschnationale und rechtsradikale Kreise und als i-Tüpfelchen gibt es auch noch eine Liebelei für den Ermittler Gereon Rath.
Mehr über den Kriminaler gibt es sogar auf einer eigenen Internetseite: www.gereonrath.de