Gustave Flaubert: Bibliomanie

Bibliomanie ist wie andere Süchte auch: In der schlimmsten Form endet sie mit sozialer Isolation, wirtschaftlichem Ruin und, wenn es ganz schlimm kommt, mit Tod und Verdammnis.

So ergeht es dem Mönch Giacomo in Barcelona, den die wahnhafte Gier nach einem bestimmten Buch als zum Tode verurteilten Verbrecher enden lässt. An der knappen Erzählung, ja beinahe Novelle von Gustave Flaubert, die 1837 in „Le Colibri“, einer Zeitung für Literatur und Kunst in Rouen veröffentlicht wurde, ist mehreres erstaunlich.

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Zum einem ist es der erste publizierte Text eines 15-jährigen Jungen, der später zu einem der größten Romanciers der europäischen Literatur werden sollte. Wenn auch in sich als Erzählung noch nicht ausgereift und nicht ganz schlüssig, so zeigt „Bibliomanie“ doch schon Züge des späteren Flaubert: Eine Beschreibungskraft, die die Figuren lebendig werden lässt, ein großes Augenmerk auf die Psychologie der Figuren legt und das Bestreben nach einem sprachlich abgerundeten Stil. Zum anderen ist die Hauptfigur dieser Novelle, eben jener 30-jährige Mönch, eine Gestalt, bei der man sich die Augen reibt. Giacomo hat im Grunde keinen Sinn für die Literatur und die Wissenschaft. Er kann noch nicht einmal richtig lesen. Und dennoch denkt, träumt und sieht er nach Flauberts Worten nur eins: Bücher.

Von Flaubert weiß man, dass er ebenfalls biblioman war, von Alexander Walz kann ich es nur vermuten. Aber eines haben die beiden auf jeden Fall gemeinsam: Sie sind schon in sehr jungen Jahren der Literatur erlegen. Flaubert als Schriftsteller, Alexander Walz als Verleger. Mit knapp 15 gründete Walz die „Edition Lettara“. Der Verlag – ich habe bereits hier einmal davon berichtet – bringt klassische Texte heraus, bereichert durch Illustrationen des Verlegers.

„Bibliomanie“ ist das zweite Werk, das der Verlag veröffentlichte. Ein schönes Lesestück, eine erstaunlich komplexe Novelle: Der jugendliche Flaubert spielt in diesem frühen Text ein Verwirrspiel mit seinen Lesern, wechselt Titel, Bücher und deren kulturelle Bedeutung im Laufe des Textes, löst nicht alle Erzählstränge vollständig auf – ob es so angelegt ist oder noch dem Alter des Autors geschuldet, bleibt sich in der Interpretation eigentlich gleich. Denn es geht eben nicht nur um Logik. Sondern es ist: Bibliomanie. Selbstverständlich macht auch das Nachwort, das von einer gewissen Birgit Böllinger stammt, diese schön gestaltete Ausgabe besonders lesenswert.

Wer mehr über den Verleger wissen möchte, hier gibt es einen Beitrag im Bayerischen Rundfunk: https://www.br.de/nachrichten/bayern/mit-15-jahren-schueler-betreibt-eigenen-verlag,Su64VQn

Gustave Flaubert
Bibliomanie
Edition Lettara
Mit llustrationen von Alexander Walz
40 Seiten, Softcover, nummeriert
Ladenpreis: 11,99 €
oder direkt beim Verleger bestellen: https://www.editionlettara.de/gustave-flaubert-bibliomanie/


Henry James: „Die Europäer“ und „Die Gesandten“

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Bild: (c) Michael Flötotto

Es mag ein Zufall gewesen sein, aber zum 100. Todestag von Henry James veröffentlichten zwei Verlage zwei Romane in neuer Übersetzung, die am Anfang und Ende seines Schaffens stehen – und einen thematischen Kreis schließen. Zu Beginn seiner Karriere lässt Henry James die Europäer in die Vereinigten Staaten kommen – gegen Ende suchen die Amerikaner in Europa ihr Glück und verlieren dabei die Orientierung.

„Die Europäer“, beim Manesse Verlag erschienen, ist ein luftig-leichtes Frühwerk. Eher ein Appetithäppchen, das die Neugier erweckt auf die späteren Bücher des Amerikaners, der ein Lebensthema hatte: Das Aufeinanderprallen der „alten“ und der „neuen“ Welt. Das amüsante Wechselspiel um einige Amouren und Aufeinanderprallen der Kulturen zeigt den Stil von Henry James bereits in den Grundzügen: Er forscht in den Regungen der Seele – auch wenn sein gestrenger Bruder William, berühmter Psychologe seiner Zeit, den Roman als „leer“ verurteilte. „Die Europäer“ erinnert – insbesondere durch den eloquenten Einsatz von Dialogen – an ein Stück von Oscar Wilde: Locker, luftig, leicht und amüsant.

„Die Gesandten“ dagegen, sein vorletzter Roman und in neuer Übersetzung durch Michael Walter beim Hanser Verlag erschienen, ist von ganz anderem Gewicht: Ein Amerikaner kommt nach Paris, um dort die Mesalliance eines jungen Mannes aus seiner Heimat mit einer Dame von zumindest angekratztem Ruf zu verhindern – der Herr in den besten Jahren verliert jedoch in der Alten Welt bald auch sein inneres Gleichgewicht: Paris, das ist so ganz anders, als Lambert Strether es sich in seiner amerikanisch-puritanischen Haltung vorstellen konnte. Strether beginnt sich selbst zu fragen, ob sein eigenes Leben nach den richtigen Prinzipien ausgerichtet ist.

Die „Europäer“ erschien zuerst 1878 in The Atlantic Monthly, im Herbst 2015 beim Manesse Verlag in neuer Übersetzung durch Andrea Ott. Mit seinem locker-leichten Ton, mit den ironischen Seitenhieben auf die neureiche Neue Welt und den abgewirtschafteten Adel der Alten Welt, mit seinen Dialogen wie Ping-Pong-Spielen und den amourösen Verwicklungen ist es ein leichtes Lesevergnügen und wartet mit reichlich viel Happy-Endings auf: Vier Hochzeiten und eine Abreise. Ausgerechnet Eugenia, die „Edelgeborene“, die sich einen wohlhabenden Amerikaner angeln wollte, geht leer aus.

James konstruiert in diesem Roman einen „clash der Kulturen“ – im eigentlichsten Sinne. Denn Eugenia und ihr malender Bruder Felix, mittellos und auf gute Partien hoffend, sind ganz der Kunst, auch der Kunst des Salongesprächs, zugeneigt – vor allem bei Eugenia weiß selbst der Leser nie ganz genau, worauf sie bei ihren Geplänkeln hinaus will. Am Ende verstrickt sie sich in ihren eigenen verbalen Fäden. Hier die überfeinerten Europäer – dort die puritanischen, grundehrlichen Amerikaner, die jedoch eines nicht können: Über ihre eigenen Gefühle und Stimmungen reflektieren, Innenschau halten. Auf diesem Gegensatz beruht dieser amüsante Roman.

Gustav Seibt schreibt in seinem Nachwort zur Manesse-Ausgabe:

„Der ästhetisch-kulturelle Gegensatz zwischen Europa und Amerika bleibt als historisches Thema bedeutend genug – die Frage nach dem Verhältnis von Vorgänger- und Nachfolgerkulturen wird die globalisierte Welt auch in Zukunft begleiten. Und wie wenig James, bei aller Liebe zu den Künstlern Europas, den amerikanischen Standpunkt verleugnet, zeigt sich etwas in dem stolzen Satz von Mr. Wentworth, der, auf den fürstlichen Stand seiner Cousine Eugenia angesprochen, knapp erklärt: „Hierzulande sind wir alle Fürsten.“ 

Thematisch ähnlich, doch deutlich komplexer ist das von Michael Walter für den Hanser Verlag neu übersetzte Werk „Die Gesandten“, das 1903, ebenfalls zunächst als Vorabdruck in einer Zeitschrift, erschien. Das Buch ist eine Herausforderung an die Leser: Ein echter Henry James. Es lebt von präzis-minutiöser Erforschung des Innenlebens seiner Protagonisten und doch bleibt manches unausgesprochen, verharrt in Andeutungen, vieles erklärt sich nur vage an kleinen Handlungen, Äußerungen, in Nuancen.

Der biedere Herausgeber einer Zeitschrift, Lewis Lambert Strether, aus dem Städtchen Woollett (Massachusetts) soll den Sohn der ebenfalls sehr biederen Witwe Mrs. Newsome nach Hause holen: Jung-Newsome lebt in Paris, ist in eine amouröse Geschichte mit einer klugen, charmanten Französin namens Madame de Vionnet verstrickt und denkt gar nicht daran, sich wieder in die Eintönigkeiten amerikanischen Kleinstadt- und Geschäftslebens zu fügen. In den Augen der gestrengen Mrs. Newsome (und zunächst auch in Strethers Auffassung) hat Madame de Vionnet ein ganzes Bündel an Fehlern: Sie ist um einige Jahre älter, verheiratet und zudem mit einer hübschen Tochter gesegnet. Obwohl zutiefst unglücklich, ist die Ehe mit einem Adeligen, die nur noch auf dem Papier besteht, nicht auflösbar. Überkommener Adelcodex trifft auf amerikanischen Puritanismus.

Strether, der selbst an eine Verbindung mit Mrs. Newsome denkt, ist zunächst guter Dinge, seinen Auftrag bewältigen zu können – und scheitert. Denn seine „Pariser Erfahrungen“ führen ihn zu ganz zentralen Fragen an sich selbst, zu einer Auseinandersetzung mit seinem Leben. Bei einer Unterhaltung mit einem jungen, unsicheren Mann, den er in der Hauptstadt der Liebe kennenlernt, bricht es plötzlich aus dem rechtschaffenen Amerikaner heraus:

„Leben Sie, so intensiv Sie können; alles andere ist ein Fehler. Was Sie tun, spielt eigentlich keine große Rolle, solange Sie ihr eigenes Leben leben. Wenn Sie das nicht gelebt haben, was haben Sie dann überhaupt gehabt?“ 

Verbunden mit dem temperamentvollen Appell an den jüngeren Mann ist jedoch die melancholische Einsicht, dass für ihn selbst, den 55jährigen, der Zug wohl schon abgefahren ist – und dennoch kehrt Strether am Ende des Romans nach Hause zurück. Allerdings ist er nicht mehr derselbe, wie der Abschied von einer amerikanischen Freundin in Paris am Ende des Romans verdeutlicht.

„Es brachte sie zurück auf ihre unbeantwortet gebliebene Frage. „Was erwartet Sie denn zu Hause?“
„Ich weiß es nicht. Irgendetwas gibt es immer.“
„Eine große Veränderung“, sagte sie, während sie seine Hand festhielt.
„Eine große Veränderung – ganz ohne Zweifel. Trotzdem werde ich sehen, was sich daraus machen lässt.“

Maike Albath, eine ausgezeichnete Kennerin von Henry James` Werk, schreibt über „Die Gesandten“:

„Hier klingt ein weiteres zentrales Motiv von Henry James an, das er in vielen Romanen variiert: das des verpassten Lebens. Gründe dafür können Zaghaftigkeit, emotionale Taubheit, aber auch wirtschaftliches Kalkül sein, wie in seinem groß angelegten Fresko „Die Flügel der Taube“, in dem Berechnung schließlich jede tiefere Gefühlsregung verfälscht und Verstellung eine fatale Dynamik entwickelt. In seinem ausführlichen Nachwort, das in dieser Ausgabe zum ersten Mal auf Deutsch erscheint, erzählt der Autor, wie er 1895 über einen Freund von einem älteren Gentleman hörte, der einen jungen Mann vor der Gefahr des Verzichts warnte.“ 

Ihr Artikel verknüpft Kenntnis des Werks und der Biographie des Autors geschickt. Wer sich Henry James annähern will, findet hier eine gute Quelle: http://www.deutschlandfunk.de/buch-der-woche-henry-james-die-gesandten.700.de.html?dram:article_id=346874 

Auch heute noch, in einer globalisierten Welt, in der durch die digitalen Medien scheinbare Nähe aufgebaut wird, wirken die Romane Henry James in ihrem Kernthema – Alte Welt versus Neue Welt – eigenartig modern. Die jüngsten Präsidentschaftswahlen haben dies vielleicht einmal mehr gezeigt, wie wenig wir von den Vorgängen in den USA und der amerikanischen „Seele“ wissen. James, der sich selbst zeitlebens in Europa wohler fühlte, hätte das Erstaunen der Europäer über Trumps` Wahl vielleicht mit einem Schulterzucken und einem wissenden, müden Lächeln quittiert. Immer wieder hat er in seinen Büchern versucht, die Masken zu lüften – und immer wieder doch auch aufgezeigt, wie vieles die alte von der neuen Welt trennt.

Verlagsinformationen zu „Die Europäer“:
https://www.randomhouse.de/Buch/Die-Europaeer/Henry-James/Manesse/e483140.rhd

Verlagsinformationen zu „Die Gesandten“:
https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/die-gesandten/978-3-446-24917-2/


„Es war allerdings ein Leichtes, nicht zu sprechen, wo die eigentliche Schwierigkeit doch darin lag, Worte zu finden.“

Henry James, „Die Kostbarkeiten von Poynton“, Manesse Verlag, 2017.

Henry James ist einer dieser Schriftsteller, die nie ganz weg, aber auch nie ganz da sind – wohl jeder, der sich mit englischsprachiger Literatur befasst, wird eines seiner bekanntesten Werke, sei es „Die Drehung der Schraube“, „Portrait of a Lady“ oder „Washington Square“ gelesen haben. Doch die gesamte Fülle seines Werks harrt immer noch einer angemessenen Übertragung ins Deutsche.
Umso mehr muss man anerkennen, dass beim Manesse Verlag seit einiger Zeit nach und nach einiger seiner Werke in hervorragender neuer Übersetzung erscheinen – und darunter, so wie nun mit „Die Kostbarkeiten von Poynton“, durchaus nicht nur die oben genannten, bereits berühmten Titel, sondern auch ein Roman, der zu den weniger bekannten Stücken aus James` Gesamtwerk zählt.

Wie Alexander Cammann in seinem Nachwort herausarbeitet, bildet dieses Buch eine Art Zäsur im Schaffen des amerikanischen Schriftstellers. Mit dem Krebstod seiner Schwester Alice, dem Tod seines Brieffreundes Robert Louis Stevenson und dem Suizid seiner Seelenverwandten Constance Fenimore Cooper hatte Henry James innerhalb kürzester Zeit seine engsten Vertrauten verloren, dazu kam sein öffentliches Scheitern als Bühnenautor. Seine Reaktion: Er setzt sich mit seinem eigenen Schaffen auseinander, beginnt wieder an einem Roman zu schreiben: „Ich gedenke, weit bessere Arbeit zu leisten als je zuvor.“

An dem 1896 erstmals veröffentlichten Poyntoner Kostbarkeiten werden sich die Geister scheiden: Wer sich mit dem Stil von Henry James, der zugegebenermaßen wenig „actionreich“ ist, sowieso nicht anfreunden kann, der wird das Buch entnervt zur Seite legen. Andere finden darin jedoch ihren vollen Genuss.

Im Grunde ist die Geschichte etwas Schall, sehr viel Rauch – Rauch, in dem das vermeintliche Objekt der Begierde, ein mit Devotionalien vollgestopftes Haus, am Ende in Flammen aufgeht. Eine unerwartete Pointe für eine Erzählung, die jedoch um einen ganz anderen Kern kreist: Die Unfähigkeit der beteiligten Personen, die (selbstauferlegten) Grenzen der Konvention, der öffentlichen und der gefühlten Moral abzulegen und ihrem eigentlichen Bedürfnissen und Gefühlen nachzugeben. Am Ende liegt alles buchstäblich in Schutt und Asche – auch das Lebensglück eines verliebten Paares, das nicht fähig ist zu können, wie es wollen sollte.

Nikolaus Stingl hat in seiner Übersetzung die leisesten Schwingungen und Untertöne, die Henry James seinen Figuren bei diesem dialoghaltigen Roman in den Mund legt, hervorragend aufgenommen. James, der souveräne „Menschenautor“, lässt einem jede feinziselierte Seelenregung seines Personals nachvollziehen, obwohl niemals direkt das ausgesprochen wird, was eigentlich gemeint ist – auch das macht die Lektüre insbesondere seines Spätwerks, das durch „Die Kostbarkeiten von Poynton“ eingeläutet wurde, zu einem herausfordernden Genuss.

Verlagsinformationen zum Buch:
https://www.randomhouse.de/Buch/Die-Kostbarkeiten-von-Poynton/Henry-James/Manesse/e450014.rhd

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Nellie Bly: Around the World in 72 Days

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Bild: (c) Michael Flötotto

„Monsieur Verne fragte mich, wie meine Reiseroute verlaufen sollte, und ich, glücklich, dass ich etwas sagen konnte, das er verstand, zählte für ihn auf: „ Meine Route führt von New York nach London, dann Calais, Brindisi, Port Said, Ismailia, Suez, Aden, Colombo, Penang, Singapur, Hongkong, Yokohama, San Francisco, New York.“
„Waum fahren Sie nicht über Bombay, so wie mein Held Phileas Fogg?“, fragte Monsieur Verne.
„Weil ich lieber Zeit spare, als eine junge Witwe zu retten“, antwortete ich.
„Vielleicht retten Sie ja unterwegs einen jungen Witwer“, entgegnete Monsieur Verne lächelnd.“

Nellie Bly, „Around the World in 72 Days“, 1890.

Einen jungen Witwer rettet sie tatsächlich nicht, diese rasende Reporterin, aber bei ihrem hektischen Trip um die Welt becirct sie Kapitäne, beschwatzt Botschaftsangestellte und spannt so ziemlich jeden, der ihr auf ihrer Reise begegnet, ein, um ein Ziel zu erreichen: Schneller als der Held aus Jules Vernes Roman den Globus zu umrunden. Anders, als man annehmen möchte, war dies 1890 allerdings nicht mehr ganz so das abenteuerliche Unternehmen wie Jahrzehnte zuvor.

„Von Seekrankheit unterbrochene Diners mit dem Kapitän auf der Atlantiküberfahrt, dysfunktionale Fußwärmer in europäischen Zügen und schlecht geschulte Schlangenbeschwörer in Ceylon (heute: Sri Lanka) bilden die letzten Ärgernisse in einer Welt, in der das Berliner Reisebüro von Carl Stangen bereits seit über zehn Jahren Weltreisen zum Pauschalpreis anbot.“

In seinem Vorwort zur ersten deutschsprachigen Ausgabe dieser Reisereportage (übersetzt von Josefine Haubold, erschienen im AvivA Verlag) verdeutlicht Herausgeber Martin Wagner:

„Der Tourist bewegt sich Ende des 19. Jahrhunderts bereits auf ausgetretenen Pfaden.“

So war das eigentlich Sensationelle an diesem Unternehmen, dass es eine junge, 25 Jahre alte, alleinstehende Frau war, die diese Reise antrat: Nur mit einem eigens für den Zweck erworbenen maßgeschneiderten Reisekostüm und einer handlichen Tasche, aber ausgestattet mit den Tantiemen der New Yorker Tageszeitung „The World“. Für die Journalistin, die drei Jahre zuvor mit ihrer Undercover-Reportage „Zehn Tage im Irrenhaus“ bereits für Aufsehen gesorgt hatte, wurde die Weltumrundung zum Coup, bei ihrer Rückkehr nach New York wurde sie gefeiert wie ein Star, mit der Artikelserie, die zur Reise erschien, schnellte die Auflage der Zeitung in die Höhe (wovon Nellie Bly aber nicht unmittelbar profitierte) und das darauffolgende Buch wurde ein Bestseller.

Diese Reisereportage kann man auch heute durch den „flotten“ journalistischen Stil der Autorin mit großem Vergnügen lesen – man rast mit ihr durch die Kontinente, sich durchaus bewusst machend, dass alle Eindrücke oberflächliche, im Vorbeigehen mitgenommene sind, eine Art des Reisens, die durchaus an den modernen Tourismus erinnert. Ich musste beim Lesen immer wieder an die japanische Reisegruppe denken, der ich einst in einer Pension in Avignon begegnet war – sie saßen an meinem Frühstückstisch und hakten gemeinschaftlich alle Ziele ab, die sie in ihrem Wälzer „Europe in 10 Days“ schon bewältigt hatten: Vorgestern Neuschwanstein „and the Fuckerei“ (die Fuggerei in Augsburg), gestern Paris, heute Avignon, morgen Barcelona. „Europe is wonderful, so nice, but Tokyo is more modern.“

So bringt auch Nellie Bly bei ihrer Reise ihre eigene Landkarte und ihre amerikanischen Maßstäbe mit, an der sie – auch mangels Zeit – das bemisst, was sie an der Oberfläche sieht. Und so gut man sich bei der Lektüre unterhalten kann, so sehr fallen auch zwei Dinge störend ins Gewicht, die die Autorin in ein unsympathischeres Licht stellen: Eine Form von Patriotismus und von Rassismus, die durchaus aufstößt. Erstaunlich, schrieb sie doch zuvor mit so viel Engagement über den unmenschlichen Umgang mit psychisch Kranken – doch einige Jahre später entdeckt man in ihrem Berichten von der anderen Seite der Welt wenig Empathie mit Menschen anderer Rasse. Leprakranke beschreibt sie als ekelerregend, die chinesische Bevölkerung als schmutzig, faul und hinterlistig, die Bewegungen einiger Matrosen erinnern sie an den Affen, den sie währender Reise kauft.

Martin Wagner geht auf diesen Aspekt in seinem Vorwort ausführlich ein:

„Dabei bringen erst die bedauerlich rassistischen Passagen die volle Bedeutung sowohl von Nellie Blys Rekordreise als auch vom Reisen am Ende des 19. Jahrhunderts insgesamt zu Tage. Die Geschichte des globalisierten Tourismus ist ohne seine kolonialistischen Voraussetzungen und Implikationen nicht verständlich. Der auf Weltreise befindliche Tourist bietet das schwache Abbild des einmarschierenden Imperialisten. In dem Wunsch, die Welt zu bereisen, ist der Anspruch, die Welt zu beherrschen, immer schon mit enthalten.“

Nun, Nellie Bly wollte vor allem die Zeit beherrschen, zumal zur gleichen Zeit die Reporterin Elizabeth Bisland für den „Cosmopolitan“ auf Weltreise gegangen war, eine Konkurrenz, die dem Unternehmen noch mehr Aufmerksamkeit bescherte. Bly gewann das Rennen und den Ruhm. Und hierin, in der Forschheit, dem Wagemut und der Selbstsicherheit, mit der sie ihr Unternehmen durchsetzte und durchzog, liegt auch ihr großer Verdienst. Als erste der sogenannten „girl stunt reporter“, Frauen, die undercover über die Missstände in Fabriken, Gefängnissen, Armenhäusern und anderen Institutionen berichteten, ist Nellie Bly eine weibliche Wegbereiterin des kritischen, aufklärenden Journalismus. Und ihre Reise um die Welt auch ein Akt weiblicher Selbstbestimmung.

Die unprätentiöse, selbstironische Art und Weise, wie sie sich im Kontext der Mitreisenden und Menschen, denen sie begegnet, bewegt und beschreibt, gleicht ein wenig die unsympathischeren Züge aus. Dank des Vorworts von Martin Wagner kann man das Buch in seinen geschichtlichen Kontext setzen, die kritischen Passagen entsprechend bewerten und es dennoch als amüsantes, unterhaltsames Zeugnis seiner Zeit lesen. Und bei der ironischen Betrachtung ihrer Reisegenossen fühlt man sich durchaus an eigene Erlebnisse, die man beim Reisen hatte, erinnert:

„Ich kenne mich mit Eseln aus, weil ich einige Zeit in Mexiko gelebt habe, aber viele der Passagiere fanden die Esel durchaus neuartig und wollten unbedingt auf ihnen reiten, bevor sie zum Schiff zurückkehrten. Also saßen alle auf, die ein Reittier finden konnten, und jagten durch das malerische, verschlafene Städtchen. Dabei schrien sie vor Lachen und sprangen wie Gummibälle in ihren Sätteln auf und ab (…).“

Ein Reisebegleiter von mir beliebte einstmals bei einer solchen Szene, deren wir ansichtig wurden, zu sagen: „Da weiß man wirklich nicht, wo der Esel nun aufhört oder anfängt.“

Informationen zum Buch: „Around the World in 72 Days“


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Heinrich Hoffmann: Der Struwwelpeter

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Bildquelle: Wikimedia/Struwwelpeter-Museum Frankfurt

“Konrad!“ sprach die Frau Mama, „ich geh aus und du bleibst da. Sei hübsch ordentlich und fromm, bis nach Haus ich wieder komm.“

Der Struwwelpeter war kaum erschienen, schon war er umstritten: „Jämmerliches Machwerk“, „Schmutzliteratur“, „albernes Buch“, lauteten die harschen Urteile. Der Frankfurter Arzt Heinrich Hoffmann jedoch blieb stur. Er hatte das ganze Buch für seinen Sohn getextet und gemalt und bedingte sich bei der Drucklegung aus, dass – obwohl er selbst auch eingestand, dass manches „dilettantisch“ sei – das Buch unverändert blieb.

Erschreckte es bei seinem Erscheinen 1845 vor allem die Schöngeister, die im Buch Stellen des „Gemeinen und Ekelhaften“ zu finden meinten, war es in den 1970er Jahren (und eigentlich noch bis heute) umstritten aufgrund seiner „schwarzen Pädagogik“: Zu schlimmes Unheil drohe hier unwillfährigen Kindern.

Dies ist die Ebene, auf der Erwachsene über Kinderbücher diskutieren. Welches Kind aber glaubt im Ernst, dass beim Daumenlutschen der Schneider mit der Riesenschere um die Ecke lauert? Oder auf Suppenverweigerung binnen sieben Tagen der Hungertod folgt? Und ging es überhaupt darum, Kinder einzuschüchtern und zu ängstigen mit diesem Buch?

Die Schriftstellerin Maria Beig schildert ihre Leseerfahrung so: Sie war nicht wegen der Grausamkeiten, sondern hauptsächlich deswegen empört, weil die Eltern Paulinchen alleine zuhause ließen und der Suppenkasper nicht einmal ein Butterbrot bekam. Eine Spontanumfrage im Bekanntenkreis ergab: Alle Eltern machen sich Gedanken, ob der „Struwwelpeter“ für ihre Kinder zumutbar ist – und die meisten Kinder wollen ihn trotzdem lesen. Die Eltern sind meist auch gestruwwelpeterisiert – und keiner kann sich an Alpträume erinnern. Es kommt auf die Familie an: Wer das Vertrauen haben kann, dass die Struwweleien in erster Linie Geschichten sind, der kann diese Geschichten auch genießen.

Bruno Bettelheim („Kinder brauchen Märchen“) vertrat sogar die These, dass solche Struwweligkeiten helfen könnten, Kindern ihre schwache Seite zu zeigen: Ihren Jähzorn, ihre Aggressivität, deren Auswirkungen auf andere sie so kennenlernen. Das scheint mir zwar etwas an den pädagogischen Struwwelhaaren herbeigezogen, aber wer weiß – vielleicht können die Erzählungen doch eine Anregung sein, sich über die Voraussetzungen des Miteinanders zu unterhalten.

Die Figuren – Hans-Guck-in-die-Luft und Zappel-Philipp – haben jedenfalls bislang noch jede Zeitkritik überstanden, der Struwwelpeter ist nach wie vor ein Klassiker: Irgendwie scheint er doch mitten in die kindliche Seele zu treffen. Verleger und Schriftsteller Michael Krüger sagt dazu, was Kinder von Büchern wollen:
„Es muss komisch sein. Es muss spannend sein. Und es muss eine ganz tolle Geschichte erzählt werden. Man kann also nicht gerade mit Becketts Romanen Kinder erfreuen“.

Auch zum Struwwelpeter hatte Robert Gernhardt, der große Satiriker, eine ganz eigene Sichtweise:
Ich halte übrigens beide Bücher (gemeint ist auch Max und Moritz) für hervorragend, unabhängig von den schrecklichen Ausgängen: Die Verfasser arbeiten mit Witz und Pointen, und möglicherweise haben sie in ihrer gnadenlosen Sichtweise ja sogar recht: Möglicherweise endet jeder Versuch, sich dem System zu widersetzen letal bzw. blutig, doch es sind immer offene Wunden; während jene Wunden, die durch die Anpassung geschlagen werden, unsichtbar sind und bleiben.“

Und manchmal gibt es bei Heinrich Hoffmann ja auch noch ein winziges Türchen für die Subversion – sei es in der Geschichte vom Hasen und Jäger oder vom fliegenden Robert: Einfach Wegschweben ist manchmal die beste Lösung.

Harriet Beecher Stowe: Onkel Toms Hütte

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Sklavenhütten in Louisiana. Bild von JamesDeMers auf Pixabay

„Mein Herr? Und wer hat ihn zu meinem Herrn gemacht? Das ist es, woran ich denke – welches Recht hat er auf mich? Ich bin ebenso gut ein Mensch wie er. Ich bin ein tüchtigerer Mensch als er. Ich verstehe mehr von Geschäften als er. Ich kann besser lesen als er. Ich habe eine bessere Handschrift und habe alles selbst gelernt, ohne ihm etwas zu verdanken. Ich habe es trotz aller Hindernisse, die er mir in den Weg dazu gelegt hat, gelernt. Und nun möchte ich wissen, welches Recht er dazu hat, mich zu einem Karrengaul zu machen, mich von Dingen wegzuholen, die ich tue und zwar besser als er, und mich zu Arbeiten zu verwenden, die jedes Pferd verrichten kann?“

Harriet Beecher Stowe, „Onkel Toms Hütte“, 1852

Natürlich hatte ich als Kind auch eine der verstümmelten Jugendbuchfassungen gelesen. Und eine verkitschte Filmversion im Fernsehen gesehen. Aber allein das genügte schon. Da saß ich, vielleicht acht, neun Jahre alt, Mitte der 1970er-Jahre in einer schwäbischen Kleinstadt und heulte vor Wut und Traurigkeit über das Schicksal eines Mannes am anderen Ende der Welt und lang vor meiner Zeit. Dass es nicht richtig sein kann, andere Menschen wegen ihrer Hautfarbe oder Herkunft zu Tieren zu degradieren, sie zu verkaufen, ihnen die Freiheit zu nehmen, sie zu foltern und ihren Willen mit aller Gewalt zu brechen: das habe ich durch „Onkel Toms Hütte“ gelernt.

Dass das Lesen dieses Buches ein „Schlüsselerlebnis“ in meiner Entwicklung war, das weiß ich noch gewiss (ich habe sogar noch das Cover meiner Jugendbuchausgabe vor Augen). Aber an anderer Stelle wird die Erinnerung vage: Bin ich zu jener Zeit denn „im echten Leben“ bereits einem Menschen anderer Nationalität oder Kultur begegnet? Ich weiß es nicht. Vielleicht spielt aber für Kinder dieses „Anderssein“, das, wie Toni Morrison in ihrem Essayband „Die Herkunft der anderen“ ausführt, auch ein bewusstes gesellschaftliches Konstrukt zur Unterdrückung ganzer Klassen ist, erst einmal keine Rolle. Der, die andere – das ist in erster Linie ein anderes Kind. Wichtig ist zunächst: Ist das andere Wesen zugänglich, spielt es mit? Die Mechanismen der Abgrenzung oder gar der „Aussonderung“ beginnen später. Sie sind nicht nur anerzogen oder emotional bedingt, durch Ängste vor den „Fremden“ ausgelöst – Ausgrenzung, auch in der Form von Rassismus, ist immer auch ein willentlicher Akt: Ich beschließe bei jeder Begegnung mit einem Menschen, dessen Menschlichkeit hintanzustellen und nur die (meine) Vorurteile walten zu lassen.

Ein großes Stück weit hat mich davor „Onkel Toms Hütte“ bewahrt. Es hat mir als Kind schon eine Botschaft eingepflanzt: Ein Mensch ist ein Mensch ist ein Mensch. Das kann die Literatur. Das ist ihre Wirkmacht. Und für jeden jungen Leser, der von diesem Roman so geprägt wurde, muss man seiner Autorin (bei aller berechtigten Kritik aus moderner Sicht) danken. Tatsächlich fordert einen das Buch bei einer Wiederlektüre im fortgeschrittenen Leserinnenalter heraus: Sein streckenweise sentimentaler Ton, seine Gefühligkeit, wenn auch etwas dem Geschmack der Zeit geschuldet, wirkt heute manchmal sogar etwas ungewollt komisch. Die Übertünchung mit all zu viel Religion verrät den Hintergrund der Autorin, die einer neuenglischen Predigerfamilie entstammte. Vor allem aber kam und kommt bis heute berechtigte Kritik aus der afroamerikanischen Leserschaft an der unfassbar  unterwürfigen Hauptfigur. „Onkel Tom“ wurde zum Schimpfwort für den Schwarzen, der sich alles gefallen lässt, der gegen keine Grausamkeit aufbegehrt. James Baldwin warf der Autorin vor, rassistische Stereotype festgeschrieben zu haben: Nur der sanfte, entsexualisierte Schwarze sei für die weiße Leserschaft akzeptabel.  In ihrem Essayband über „Weiße Kultur und literarische Imagination“ unter dem Titel „Im Dunkeln spielen“ schreibt Toni Morrison:

„Jedenfalls wurde kein amerikanischer Text von der Art, wie ich sie hier erörtere, jemals für Schwarze geschrieben – so wenig, wie Onkel Toms Hütte dafür geschrieben wurde, daß Onkel Tom es las oder sich davon überzeugen ließ. Als lesende Schriftstellerin erkannte ich schließlich das Offenkundige: das Subjekt des Traums ist der Träumer.“

Nun, Harriet Beecher Stowe hatte ihren Traum, ihre Agenda: Die Abschaffung der Sklaverei, die sie aus religiösen und humanen Gründen für zutiefst verwerflich hielt. Ihr Mittel dazu war dieser Roman. Um jedoch die weiße Leserschaft zu erreichen, dafür musste sie, wie Gunhild Kübler in ihrem Portrait der Autorin in „99 Leidenschaften“ aufführt, zu einem Kunstgriff greifen:

„Für einen Roman, der Mitgefühl aktivieren und politisch nutzen wollte, war ein schwarzer Mann mit allen negativen Konnotationen, die Stowes Zeit den Schwarzen zuschrieb, als Hauptfigur unbrauchbar. Daher verlieh Stowe ihrem Tom zwar physische Stärke und Mut, machte ihn aber, wenn es darum ging, dass er sich für seine eigenen Belange einsetzte, zum Repräsentanten der christlichen Moral: Alles Jagen nach Eigennutz hört auf angesichts der Jenseitshoffnung.“

Um ihr Buch, das an eine weiße Leserschaft gerichtet war, für diese lesbar zu machen, wurde die Hauptfigur vor allem über seine familiären Rollen als fürsorgende Ehemann, gütiger Vater und „Onkel“ für die zusammengewürfelte Sklavengemeinde charakterisiert, die Thematik seiner Rasse in den Hintergrund gedrängt – dadurch erst entstand in jener Zeit Identifikationsmöglichkeit, erst dadurch gingen vielleicht dem einen oder anderen Leser die Augen auf: Aha, auch das ist ein Mensch!

Bei allen Mängeln: Lesbar ist „Onkel Toms Hütte“ in seiner ungekürzten Fassung auch heute noch, gelesen werden sollte es nach wie vor. Harriet Beecher Stowe verknüpft mehrere Erzählstränge, verfolgt die Schicksale der Menschen auf ihren verschiedenen Schicksalswegen: Dort das Paar Eliza und George, die zunächst nach Kanada fliehen, dort „Onkel Tom“, der in den tiefen Süden verkauft und dort ermordet wird. Manches mag man heute befremdlich an Stil und Sprache finden, die Erzählung an sich jedoch packt einen immer noch.

Zudem kann man als wohlwollende Leserin auch progressive Seiten des Romans erkennen: So thematisiert Beecher Stowe auch den spezifischen Aspekt der weiblichen Unterdrückung und geht auf die sexualisierte Gewalt gegenüber Frauen ein. Der Aspekt der (weiblichen) Selbstbestimmung ist bei ihr ein nicht zu überlesendes Thema. Ein Aspekt, um die Leser emotional zu greifen, ist zudem jener der familiären Bindung – wie durch die Sklaverei Kinder ihren Eltern entrissen und Familien zerstört werden, ist durchaus herzzerreißend zu lesen. Hier kann man durchaus auch Parallelen zu Toni Morrisons „Menschenkind“ konstruieren: Auch in diesem, aus afroamerikanischer Sicht geschriebenen Roman, steht das Trauma der zerstörten Familie im Zentrum. Und wo „Menschenkind“ angesiedelt ist, da erlebte Beecher Stowe aus eigener Anschauung die Grausamkeit der Sklaverei:

„In Cincinnati am Ohio, der ja die Grenze bildete zwischen dem Sklavenstaat Kentucky und dem sklavenfreien Ohio, wurde Harriet näher mit der Problematik der Sklaverei konfrontiert (…) Durch seine Lage war Cincinnati nun einmal prädestiniert für Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Befürwortern der Sklaverei. Bereits im Jahre 1836 war die Druckerei von James Birney, der die Antisklavereizeitschrift The Philantropist verlegte, von Rowdies zerstört worden, die im Anschluß daran die Häuser von freien Schwarzen in Cincinnati angriffen. 1840 kam es dann wiederum zu Übergriffen eines sklavereifreundlichen Mobs auf das Negerviertel: Häuser wurden in Brand gesteckt, Frauen vergewaltigt, Kinder in die Sklaverei verschleppt. Von ihrem Haus aus wurde H.B.S. Zeugin dieser Ausschreitungen.“

Susanne Althoetmar-Smarczyk im Nachwort zur dtv-Ausgabe von „Onkel Toms Hütte“ 2006.

Und unbestritten ist die Wirkung dieses Buches – Literatur kann, dies hat „Onkel Toms Hütte“ bewiesen, dazu beitragen, gesellschaftliche Verhältnisse zu ändern. Ob Abraham Lincoln bei einer Begegnung mit Harriet Beecher Stowe tatsächlich gesagt habe, sie sei also die „kleine“ Frau, die den großen Krieg ausgelöst habe, ist ungesichert (zumal die tiefgläubige Autorin auch einen Krieg ablehnte). Aber der Roman, der von 1851 bis 1852 zunächst in Fortsetzungen in der Zeitschrift „National Era“ erschien, brachte dem Abolitionismus zusätzliche Aufmerksamkeit – auch weit über die amerikanischen Grenzen hinaus. Innerhalb weniger Monate wurde allein in den Vereinigten Staaten zu Hunderttausenden verkauft, in andere Sprachen übersetzt, in England, Frankreich und Deutschland gefeiert, als Raubdruck millionenfach kopiert und schlug nach Verkaufszahlen zeitweise die Bibel. George Sand, George Eliot, Tolstoi, Heinrich Heine und andere literarische Größen jener Zeit äußerten sich begeistert. Nicht zuletzt aber kann man die Wirkmacht eines Werkes auch an der Zahl seiner Kritiker messen – in Folge von „Onkel Toms Hütte“ entstanden zahlreiche Anti-Romane, in denen die Sklaverei verteidigt und beschönigt wurde. Harriet Beecher Stowe sah sich zahlreichen Anfeindungen ausgesetzt – ging aber ihren Weg unbeirrt weiter. Das Vermögen, das sie mit ihrem Weltbestseller verdiente, nutze sie auch dazu, Sklaven freizukaufen, Bildungsstätten für afroamerikanische Kinder (natürlich nicht ohne religiöse Unterweisung) zu schaffen und die Abolitionsbewegung weiter zu unterstützen. Sie verstarb 1896, 85 Jahre alt.

Wer heute auf die USA blickt und den zunehmenden offenen Rassismus in der Trump-Ära, der wünschte sich einen Agitationsroman – trotz aller Mängel an Beecher Stowes Werk – in dieser Art, der es erreicht, Menschen zu bewegen und umzustimmen, auf den Plan.

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Lesezeichen von: Henry David Thoreau

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„In der Literatur fasziniert uns das Wilde; «zahm» ist gleichbedeutend mit «langweilig». Uns begeistern die freien, wilden, unzivilisierten Gedanken in «Hamlet» und in der «Ilias» und in der Heiligen Schrift und in den alten Mythen – jene Gedanken, die nicht in den Schulen gelehrt werden. Die wilde Ente ist flinker und anmutiger als die zahme, und das nämliche gilt für den wilden Gedanken, welcher der Stockente gleich im sinkenden Tau dahineilt übers Gemoor. Ein wirklich gutes Buch ist etwas so Natürliches, etwas so unerwartet und unerklärbar Schönes und Vollkommenes wie eine in der Prärie des Westens oder in den Dschungeln des Ostens entdeckte Wildblume. Genie ist ein Licht, das die Finsternis sichtbar macht, wie ein Blitz, der den Tempel des Wissens in Trümmer legen kann – und nicht wie ein Wachskerzchen, das auf dem Kaminsims der Menschheit brennt und vor dem Licht des Alltags verblasst.“

Henry David Thoreau: „Vom Wandern“, 1862.

Thoreau schrieb in diesem Essay über sich selbst, er könne seine körperliche und geistige Gesundheit nur bewahren, wenn er täglich mindestens vier Stunden durch die Wälder und Fluren streifen könne. Wahres Schlendern oder Wandern, wie es Thoreau verstand, das hat wenig mit den vollausgerüsteten Nordic Walking-Truppen zu tun, die die an den Wochenenden beispielsweise auch hier, im Augsburger Naherholungsgebiet, durch die Gegend bolzen. Was Thoreau meint, bedeutet vor allem: Auch geistig den Alltag abzustreifen, sich zu öffnen für das, was da ist, einfach auch unmittelbar zu sehen, zu hören, zu fühlen, in und bei der Natur zu sein.

Sein Aufsatz über das Wandern, den er mehrfach überarbeitete, ist gleichsam ein Aufsatz über die Verfertigung der Gedanken beim Wandern: Thoreau schreibt, wie man es von seinem Stil gewohnt ist, frei und sprunghaft, kommt von einem Thema auf das nächste, so wie man einen Bach von einem Stein zum anderen überqueren kann. Immer jedoch äußert er sich mit viel Verve und Feuer, auch zur Literatur, denn:
„Alles Gute ist wild und frei“.

„Vom Wandern“ ist in der Übersetzung von Ulrich Bossier in der Reclam Bibliothek zu haben: https://www.reclam.de/detail/978-3-15-019074-6/Thoreau__Henry_David/Vom_Wandern

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Henry David Thoreau: Leben ohne Grundsätze

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„Wenn ein Mensch die Hälfte eines jeden Tages damit zubringt, in den Wäldern spazierenzugehen, weil er sie liebt, läuft er Gefahr, als Faulenzer angesehen zu werden; aber wenn er seinen ganzen Tag als Spekulant vertut, der diese Wälder abhauen und die Erde vorzeitig kahl werden lässt, wird er hoch geachtet als fleißiger und unternehmender Bürger. Als ob die Stadt kein anderes Interesse an ihren Wäldern hätte, als sie abzuholzen!
Die meisten Menschen würden sich beleidigt fühlen, wenn man ihnen als Beschäftigung vorschlüge, Steine über eine Mauer zu werfen und sie dann wieder zurückzuwerfen, nur damit sie vielleicht ihren Lohn verdienten. Aber heute haben viele keine würdigere Beschäftigung.“

Henry David Thoreau, „Leben ohne Grundsätze“, EA 1863 (postum), in der Übersetzung von Peter Kleinhempel, Limbus Verlag Innsbruck, 2017.

Ich könnte noch unendlich viel mehr Zitate aus diesem Essay Thoreaus – oder auch dieser „Gardinenpredigt“, wie Herausgeber Frank Schäfer den Text in seinem Nachwort nennt – bringen, so sehr hat mich diese Schrift, die nun bald 150 Jahre auf dem Buckel hat, in ihrer Aktualität getroffen. Thoreau entwarf den Text als Vortrag kurz nach dem Erscheinen von „Walden“, er ist, so Frank Schäfer, sein „intellektuelles Grundsatzprogramm – gewissermaßen Walden in einer Nuss.“

Vehement prangert der Mann aus Concord – damals mit einer Anhäufung von Transzendentalisten das Epizentrum einer amerikanischen Gegenbewegung – das Primat des Ökonomischen, den Vorrang materieller und wirtschaftlicher Absicherung vor geistiger und seelischer Bildung an. Das tut er eloquent, wortgewaltig und bissig – so verwundert es nicht wenig, dass seine Zuhörer zum Teil wohl deutlich irritiert reagiert haben: Packt er doch gewissermaßen jeden, auch die heutigen Leser, am Schlaffitchen: Um die Welt zum Positiven zu verändern, muss jeder bei sich selbst beginnen.

„Die Wege, auf denen ihr zu Geld kommen könnt, führen fast ausnahmslos nach unten. Etwas getan zu haben, wodurch ihr nur Geld verdient habt, heißt wahrhaftig müßig gewesen zu sein – oder Schlimmeres. Wenn der Arbeiter nicht mehr bekommt als den Lohn, den ihm sein Arbeitgeber zahlt, wird er betrogen, betrügt er sich selbst. Wenn man als Schriftsteller oder Redner zu Geld kommen will, muss man populär sein, und das ist: senkrechter Abstieg.“

Einfacher leben – das lebte Thoreau in seinen zwei Jahren, zwei Monaten und zwei Tagen in „Walden“ vor und dies ist auch die Essenz seines Vortrags. Einfacher leben und vor allem, dem Leben einen Sinn außerhalb des Broterwerbs und, wo möglich, dem Broterwerb einen Sinn geben: Das ist, verkürzt gesagt, sein Appell. Mutet einfach und simpel an, aber man weiß – das ist es nicht. Es ist nun mal nicht jedem gegeben, kein „schlimmer Tölpel“ zu sein: Das sind in Augen Thoreaus jene, die den größeren Teil des Lebens damit vergeuden, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Einen konkreten und kompletten Gegenentwurf zur kapitalistischen Gesellschaftsform bietet der Schriftsteller allerdings nicht, sein Rezept gründet eben auf Vereinfachung und Verweigerung. Sowie Kontemplation:

„Wir sollten unsere Köpfe behandeln wie unschuldige und begabte Kinder, deren Hüter wir sind, und wir sollten achtgeben, auf welche Gegenstände und welche Themen wir ihre Aufmerksamkeit stoßen. Lest nicht die Times. Lest die Ewigkeit.“

Man kann natürlich das Ganze mit einem Achselzucken als weltfremde Äußerungen eines Aussteigers abtun – wie soll das gelingen, aus der „Tretmühle“, wie Thoreau dies nennt, auszutreten? Oder aber man lässt sich von diesem Text herausfordern, anregen, anstecken und lässt sich auf die Frage ein: Wie leben? Was tun?

„Leben ohne Grundsätze“ rüttelt auf, wirft Fragen auf, packt einen an. Und ist zudem (leider) auch politisch noch hoch aktuell: Wenn Thoreau den Goldrausch in Kalifornien anprangert, dann fühlt man sich an die aktuelle digitale Goldgräbermentalität erinnert. Wenn er auf den Import von Waren in die USA, der Menschenleben kostet, eingeht, dann denkt man an manche Auswüchse der Globalisierung. Und im Trump-Zeitalter bekommt dieser Satz eine eigentümliche, bedrohliche Bedeutung:

„Selbst wenn wir zugeben, dass sich der Amerikaner von einem politischen Tyrannen befreit hat, ist er doch noch der Sklave eines ökonomischen und moralischen Tyrannen.“

So vieles scheint in unserer Welt gegenwärtig rückläufig zu sein, sich zum Schlimmeren zu wenden. Höchste Zeit also, Thoreau zu lesen.

„Leben ohne Grundsätze“ erschien in der Reihe „Limbus Preziosen“. Nomen est omen: Die Bände sind liebevoll gestaltet, hochwertig durch Hardcover und Lesebändchen und sorgfältig editiert, mit einem informativen Fußnoten-Apparat, biographischen Angaben und einem informativen Nachwort ausgestattet.

Verlagsinformationen zum Buch:
http://www.limbusverlag.at/index.php/leben-ohne-grundsaetze

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Nathaniel Hawthorne: Das Haus mit den sieben Giebeln

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„Das ehrwürdige Gebäude ist mir seit je wie ein Gesicht erschienen, das nicht nur von Wind und Wetter draußen gezeichnet ist, sondern von langen Erdenleben drinnen und dessen Wechselfällen redet.“

„Das alte Haus unserer Geschichte dagegen, mit seinen Balken aus Weißeiche, seinen Brettern, Schindeln, dem bröckelnden Putz und selbst den mächtigen, mehrzügigen Schornstein in der Mitte, schien nur den geringsten, unbedeutendsten Teil seiner Wirklichkeit preiszugeben. So viel an menschenmöglicher Erfahrung hatte sich dort zugetragen – so viel war gelitten und etliches auch genossen worden – dass es überall aus dem Gebälk troff wie aus einem Herzen. Das Haus war selbst wie ein großes Menschenherz, voller Eigenleben und reich an denkwürdigen und düsteren Erinnerungen.“

Nathaniel Hawthorne, „Das Haus mit den sieben Giebeln“

Dass Nathaniel Hawthorne am amerikanischen Unabhängigkeitstag, dem 4. Juli, zur Welt kam, hat durchaus Symbolkraft: Der 1804 in Salem, die durch ihre Hexenprozesse berühmt-berüchtigt gewordene Stadt, geborene Hawthorne steht wie einige andere dieser frühen Schriftstellergeneration zwar noch gedanklich und mit einem Bein auf dem Boden der Alten Welt. Doch zugleich ist er auch Begründer einer eigenen, amerikanischen Literatur mit ihren ganz eigenen, amerikanischen Mythen. Hawthornes Bücher sind eine Losschreibung – eine Auseinandersetzung mit der engen puritanischen Welt, die seine Vorväter in Neuengland begründeten, eine Auseinandersetzung mit den rigiden Moralvorstellungen und den engen gedanklichen Zirkeln, in denen sich die Vorväter der Neuen Welt bewegten. Hawthorne, dies wird in seinen Büchern deutlich, litt an diesem Erbe, insbesondere auch, weil einer seiner eigenen Ahnen, die knapp zwei Jahrhunderte zuvor in die USA gekommen waren, aktiv an den Salemer Hexenverfolgungen beteiligt war. Warum, so drängt sich bei der Lektüre seiner Bücher immer wieder auf, begründeten diese Menschen eine Welt, die düsterer war, als die, aus der sie flohen, warum zerstörten sie ein unberührtes Paradies, um dann ins schwärzeste Mittelalter zurückzufallen?

Hawthorne, der für Henry James und Herman Melville als einer der größten, gar als Begründer der amerikanischen Romanliteratur galt (wobei dieses Privileg eigentlich auch James Fenimore Cooper zugeschrieben werden kann), zog anderthalb Jahrhunderte später seine eigenen Konsequenzen: Er flüchtete sich in das Paradies der kleinen Dinge und in die Literatur. Schreibend betrieb er Vergangenheitsbewältigung für eine ganze Nation. Zertrümmerte das Alte, im Leben wie in der Literatur:

„Wie sehr Sie alles Alte hassen!“, entsetzte sich Phoebe. „Es macht mich schwindlig, an eine so unstete Welt zu denken!“
„Ich liebe jedenfalls keinen Moder“, antwortete Holgrave. „Nehmen wir dieses alte Haus der Pyncheons! Lebt es sich gesund darin, mit seinen schwarzen Schindeln und dem grünen Moos, das zeigt, wie verrottet sie sind? Und in den dunklen Räumen mit den tiefen Balken, dem Ruß und Schmutz, der sich an den Wänden niederschlug vom Seufzen und Atmen in Missmut und Angst? Mit Feuer sollte dieses Haus geläutert werden – geläutert, bis davon nur noch Asche bleibt!“

In dem Roman, mit dem Hawthorne berühmt wurde, steht ein Buchstabe als Symbol für diesen Umbruch. In dem Roman, mit dem er schließlich reich und persönlich unabhängig wurde, ist es ein Haus. Das „Haus mit den sieben Giebeln“, das bis heute in Salem zu bewundern ist. Der nun beim Manesse Verlag wieder aufgelegte Roman lässt sich lesen wie eine Mischung aus Schauer- und Kriminalgeschichte, gewürzt mit einer zarten Romanze – ein amerikanisches „Wuthering Heights“, jedoch mit eindeutigen Sympathieträgern und einem Happy End für dieselben: Die junge Generation (das neue Amerika) überwindet die Sünden der Vorväter.

Ein Lesevergnügen, hervorragende Unterhaltung bietet diese Heim- und Hausgeschichte allemal. Bei der Einweihung des giebeligen Prachtbaus streckt den Obersten Pyncheon ein Blutsturz nieder. Kein Wunder: Hat der puritanische Scheinheilige doch den proletarischen Matthew Maule der Hexerei beschuldigt, um an dessen Grundstück zu kommen. Seither liegt auf dem Gelände ein Fluch. Rund anderthalb Jahrhunderte später – also in der Gegenwart, in der Hawthorne schrieb – belastet die Ursünde der Vorväter die letzten Nachkommen weiterhin. Die alte Jungfer Hepzibah Pyncheon muss aus materieller Not heraus einen Laden eröffnen – höchst amüsant die Passagen, in der die „leutscheue“ Alte vor Angst bibbernd einem gefräßigen Dorfjungen Naschereien verkauft -, ihr Bruder Clifford, unschuldig als Mörder verurteilt, kehrt geistig verwirrt und gebrochen in sein Elternhaus zurück. Dem Geschwisterpaar setzt deren Vetter Jaffrey zu, ein Nachfahr dieser doppelmoralischen Puritaner, wie er im Buche steht: Ehrgeizig, machtlüstern, intrigant. Jaffrey ist besessen von einer Besitzurkunde über Ländereien, die er im Haus mit den sieben Giebeln vermutet – und zu jeder Untat fähig, um an das Haus und die Urkunde zu kommen. Den drei Vertretern der alten Generation steht jedoch die junge Garde gegenüber: Die frische, unverdorbene Phoebe und Holgrave – ein Symbol für das „Neue“ ist auch dessen Beruf, er ist Daguerroetypist -, die letztendlich nicht nur Clifford von der falschen Anklage entlasten, sondern natürlich auch ein Herz und eine Seele werden – wer in Holgrave und Phoebe ein Selbstportrait der innigen Ehegemeinschaft von Nathaniel und seiner Sophia liest, liegt dabei sicher nicht daneben.

So liest sich diese Schauergeschichte bei aller Düsternis also schmissig und leicht, birgt Spannungs- und Herzensmomente. „Das Haus mit den sieben Giebeln“, eine der ersten „gothic novels“, ist mehr noch als der ein Jahr zuvor erschienene Roman „Der scharlachrote Buchstabe“ eine „radikale Generalabrechnung mit den Schatten der Vergangenheit“.
So Klaus Modick im Deutschlandfunk – dessen umfassende Besprechung und Einführung in Hawthornes Werk gibt es hier:
http://www.deutschlandfunk.de/von-wuerde-und-ehebruch.700.de.html?dram:article_id=81883
Weiteres zum Buch inklusive Leseprobe gibt es auf der Seite des Verlags:
http://www.randomhouse.de/Buch/Das-Haus-mit-den-sieben-Giebeln-Roman/Nathaniel-Hawthorne/e449395.rhd?mid=4

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Mark Twain: Post aus Hawaii

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Bild von DawniGirl auf Pixabay

„Wenn man in Honolulu mit einem Fremden ins Gespräch kommt und den natürlichen Wunsch verspürt, herauszufinden, auf welchem Terrain man sich bewegt und welche Art von Mensch der andere ist, dann spricht man ihn am besten zunächst mit „Kapitän“ an. Man beobachte ihn genau, und wenn man an seinem Gesichtsausdruck erkennt, dass man auf der falschen Spur ist, frage man ihn, wo er predigt. Es ist so gut wie sicher, dass er entweder Missionar oder Kapitän auf einem Walfänger ist.“

 Mark Twain, „Post aus Hawaii“, 2010, mareverlag, Hamburg.

Als Mark Twain zu den Sandwich-Inseln reisen darf, ist er bei weitem noch kein etablierter Autor. 1866 wird Samuel Langhorne Clemens im Auftrag der Tageszeitung “Sacramento Daily Union” mit dem Dampfschiff auf Reportage entsandt. Der junge Reporter, geboren 1835 in Florida, soll vor allem über die Zuckerrohrindustrie auf den Sandwich-Inseln berichten.

Auch wenn der junge Journalist alles andere als die bestellten Auftragsarbeiten ablieferte – sowohl für ihn als auch für die Herausgeber des „Sacramento Daily“ wurde die Reise zum Glücksfall. Aus den geplanten vier Wochen wurden vier Monate, aus den journalistischen Berichten wurden lebendige Reportagen, kleine Erzählungen und vor allem Humoresken über das Inselleben. Und aus dem Zeitungsmann Samuel Langhorne Clemens wurde durch den Erfolg dieser Briefe und der anschließenden Vortragsreisen der berühmte „Mark Twain“.

Die Reiseberichte lesen sich auch heute noch so frisch, lebendig und widerborstig wie andere „Reisebücher“ aus der Feder dieses großen amerikanischen Schriftstellers, sei er mit den Arglosen im Ausland unterwegs oder auf einem „Bummel durch Europa“. Bis die Reportagen, die den Grundstein zu Mark Twains Erfolg bildeten, jedoch komplett in Buchform erschienen, sollte es dauern. Er selbst verwertete zu Lebzeiten nur Teile daraus in anderen Büchern. In deutscher Übersetzung durch Alexander Pechmann – der der Ausgabe auch ein lesenswertes Nachwort mit einer Fülle weiterer Informationen angefügt hat – wurden die vollständigen Briefe aus Hawaii erst 2010 veröffentlicht, 100 Jahre nach dem Tod des Schriftstellers.

Die „Post aus Hawaii“ lässt schon die typischen Züge des späteren Schriftstellerstars erkennen: Die Briefe sind humorvoll bis bissig, ab und an gehen ihm die fiktiven Gäule durch (so erfindet er einen tolpatschigen Reisebegleiter, den armen Mr. Brown), sie zeugen zugleich aber auch von seinem journalistischen Spürsinn und seiner genauen Beobachtungsgabe. Was das Werk von späteren unterscheidet: Mark Twain schlägt deutlich patriotische Töne an, Hawaii wird vor allem aus dem Blickwinkel betrachtet, inwieweit die Insel und ihre Nachbarn nützlich für Amerika sein könnten.

Als Twain auf die Sandwich-Inseln kommt, waren diese bereits mehrfach wegen ihrer geographischen Lage und ihrer Naturschätze zum Objekt der Begierde geworden: James Cook gab der Inselkette zu Ehren von Lord Sandwich ihren Namen, dann annektierten die Russen, die Engländer und die Franzosen in abwechselnder Reihenfolge die Inseln, die seit 1810 durch die gewaltsame Eroberung von Kamehameha I. als Königreich geführt wurde. Die Monarchie überlebte den Besuch Twains nur wenige Jahre. Und auch die nachfolgende Republik war nur von kurzer Dauer: 1898 wurde Hawaii von den Amerikanern annektiert und ist seit 1959 der 50. Staat der Vereinigten Staaten.

Die großen Nachbarn hatten schon immer ein lebhaftes Interesse an den Inseln – und dieses sollte auch über die Zeitungsberichte Mark Twains beim Publikum geschürt werden. Immerhin ging es auch um handfeste wirtschaftliche Interessen. So schreibt Mark Twain im April 1866 an seine Leser:

„Der Walfang des nördlichen Pazifiks – der keineswegs unbedeutend ist – hat sein Zentrum in Honolulu. Ohne ihn würde die Stadt eingehen – ihre Geschäftsleute würden fortziehen, und die Grundstücke würden ihren Wert verlieren, zumindest jene, die zur Stadt gehören, obwohl Honolulu womöglich auch weiterhin als hervorragende Zuckerrohrplantage gedeihen würde, denn der Boden ist fruchtbar und braucht nur wenig Bewässerung.
Die Handelskammer von San Francisco wäre gut beraten, wenn sie sich bemühte, das Geschäft mit dem Walfang nach Kalifornien zu holen. Honolulu rüstet dieses Jahr die Mehrheit von sechsundneunzig Walfängern aus und erhält dafür eine ziemlich große Geldsumme.“

Wie Alexander Pechmann in seinem Nachwort ausführt, zeigt Twain in diesen Zeitungsartikeln durchaus eine imperialistische, patriotische Haltung, in dem er sich für eine wirtschaftliche Expansion der Vereinigten Staaten ausspricht – eine Haltung, die er in späteren Texten revidieren wird. Pechmann schreibt dazu:

„Twains politische Haltung ist nicht einfach zu definieren. Er hat anscheinend keine Probleme damit, in vielen seiner Erzählungen die Geldgier seiner Landsleute zu verhöhnen und gleichzeitig in seinen Zeitungsartikeln die Ausbeutung billiger Arbeitskräfte zu propagieren. (…) Er zeigt immer dann Sympathie für die Bemühungen des Königsreichs von Hawaii, den Status der Unabhängigkeit zu bewahren, wenn damit die Unabhängigkeit von den europäischen Mächten gemeint ist. Die Hawaiianer sind für ihn gewissermaßen bereits Amerikaner (…)“.

„America first“: Und doch kann man Herrn Twain für diese jungenhafte patriotische Haltung nicht allzu böse sein, bringt er einen doch überwiegend mit seiner Südsee-Post zum Schmunzeln und zum Lachen. Neugierig, respektlos, intelligent: So berichtete Mark Twain über das Leben und die Sitten auf den Inseln. Keiner ist vor ihm sicher: Er karikiert das Gehabe der Missionare, die naive bis morbide Wissbegier der Touristen, nimmt Eingewanderte und Einheimische aufs Korn und amüsiert sich insbesondere über die örtliche Politik:

„Dieses Parlament ist wie alle anderen Parlamente. Ein Holzkopf steht auf und macht irgendeinen vollkommen absurden Vorschlag, wonach er und ein halbes Dutzend anderer Holzköpfe die Sache eine Stunde lang mit geschwätziger Leidenschaft durchdebattieren, während die anderen Abgeordneten seelenruhig abwarten, bis ein vernünftiger Mann – ein einflussreicher Mann – eine große Nummer –  sich erhebt und die Torheit der Angelegenheit in fünf Sätzen darlegt.“

Mit bissigem Humor schaut Mark Twain auf den Inselstaat, seine Bewohner und ihre Sitten. Ganz ernst geht er jedoch auch auf die offenkundigen Schattenseiten im Inselparadies ein – die Folgen der Kolonialisierung, die Folgen der Ausbeutung der Ressourcen und Arbeitskräfte. Was ihn, als echten amerikanischen Patrioten, jedoch nicht daran hindert, für die Annexion Hawaiis durch die USA einzutreten.

Auch wenn man manches einfach in der Zeit verorten muss – Lesefreude bereitet der Hula auf Hawaii mit Mark Twain auch heute noch, zudem könnten die Briefe bei einem Inselbesuch auch ganz nützliche, unterhaltsame Reisebegleiter sein.

Das Buch ist auch als Taschenbuch erhältlich:
Post aus Hawaii, Dumont Verlag

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Octave Mirbeau: Diese verdammte Hand

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Sternennacht über der Rhone, 1888. By Vincent van Gogh – Copied from an art book, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9478627

„Als ich eines Nachts keinen Schlaf finden konnte, öffnete ich das Fenster meines Zimmers, stützte die Ellbogen auf den Rahmen und betrachtete den Himmel über dem in Dunkelheit getauchten Garten. Der Himmel hatte die Farbe von Veilchen. Millionen von Sternen funkelten. Zum erstenmal wurde ich mir dieser gewaltigen Unendlichkeit bewußt, die ich mit den anrührenden Blicken eines Kindes zu ergründen suchte, und ich wurde davon förmlich erschlagen. »Das ewige Schweigen dieser unendlichen Räume machte mich schaudern«; mir graute vor diesen so stummen Sternen, deren bleiches Flackern vor dem schauderhaften Geheimnis der Unermeßlichkeit zurückweicht, ohne es jemals zu erhellen.“

Octave Mirbeau, „Diese verdammte Hand“, Weidle Verlag, 2017

Und immer wieder ist in diesem Roman vom Himmel die Rede. Eine Metapher für Unendlichkeit. Für Freiheit. Der Künstler als Himmelsstürmer. Der das Mysterium erfassen will und daran zerbricht. Himmelhochstrebend, zu Boden gedrückt. Der verblichene Ton eines blauen Kittels, ein „Fleckchen Aprilhimmel“, Gedanken, wie fliehende, rasende Bestien, chimärischen Vögeln am großen, unbeweglichen Himmel gleich, der Blick einer Stummen, „weit wie Himmel und tief wie ein Abgrund“.

Was man vielleicht aus eigener Erfahrung kennt – Sommernachmittage, an denen man stundenlang dem Zug der Wolken nachblickt und sich frei und luftig dabei fühlt, aber ebenso auch der bleigraue Winterhimmel, bedrückend schwer auf dem Gemüt lastend – dies alles empfinden die Protagonisten in Octave Mirbeaus (1848 bis 1917) Roman um ein Vielfaches potenziert. „Diese verdammte Hand“, sein vierter Roman, erschien in Fortsetzungen im „L`Écho de Paris“ vom September 1892 bis zum Mai 1893. Für die Leser dieser konservativen Tageszeitung sicher keine geringe Herausforderung, war doch Mirbeau mit dem Vorsatz angetreten, die Konventionen des Romans zu sprengen – ähnlich wie Lucien, die eigentliche Hauptfigur des Buches, in dem unschwer Vincent van Gogh zu erkennen ist, die Grenzen der Malerei sprengen wollte.

Der Aufbau des Buches erforderte – zumal es jener Tage „nur“ in Fortsetzungen zu lesen war – Konzentration, führt Mirbeau doch zwei Erzählebenen ein, hält den Leser lange im Ungewissen, welche der drei Figuren die zentrale Rolle spielt. Zunächst tritt ein namensloser, wenig sympathischer Erzähler auf. Er besucht nach 15 Jahren widerwillig seinen Freund Georges, einen gescheiterten Schriftsteller, an dessen Wohnort, einer Abtei auf einer Bergspitze, die eigenwillig mitten in der flachen französischen Provinz alles überragt. Er trifft Georges am Leben verzweifelt und halb wahnsinnig an. Um seinen Geisteszustand zu erklären, übergibt Georges ihm sein Tagebuch: Das Protokoll einer Kindheit und Jugend, in deren Verlauf der sensible, körperlich schwache Georges beinahe an der Enge und Beschränktheit des Elternhauses, an der Strenge der Lehrer und Erwachsenen und an den Anforderungen des Alltags zerbricht. Erst die Bekanntschaft mit Lucien, der ihn nach Paris mitnimmt, bringt Georges eine Art von Befreiung. An der Seite des Malers wächst das Selbstbewusstsein des schüchternen George, erfährt er eine erste Liebelei und die Intensität der Gefühle.

Die „Himmelfahrt“ der beiden birgt jedoch auch ihre Schattenseiten. Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt ist vor allem der schwärmerische Lucien, der stets mit sich und den Grenzen der Kunst ringt:

„Aber präge dir ein, daß die Kunst nicht dem Zweck dient, einen mit der Nase auf etwas zu stoßen … Die Kunst dient nur dem Zweck, die unter den Dingen verborgene Schönheit zu suchen …“

Die Suche, an der Lucien letzten Endes zu scheitern glaubt, führt ihn, noch lange vor Georges, auf die einsame Bergspitze – hier, nah am Himmel, erhofft er, „die Wahrheit und Schönheit zu finden!“ Zu finden und in Bilder zu bannen – vielleicht ein vermessenes Anliegen?  Ein Ziel, an dem jeder Übersensible, der die Grenzen der Bodenhaftigkeit sprengen will, verzweifeln müsste? Lucien jedenfalls verfällt dem Wahnsinn: Sein größter Feind wird „diese verdammte Hand“, die seiner Auffassung nach nicht malen kann, was sein Auge sieht, sein Geist empfindet. Der Roman endet mit dem Tod Luciens, der beim Absägen der eigenen Hand verblutet.

Der Fortsetzungsroman erschien zwei Jahre nach dem Freitod van Goghs. Über die Art der psychischen Erkrankung dieses genialen Malers wird bis heute in der Fachwelt gestritten. Doch gleichwohl, wie man die Krankheit benennen mag: Mirbeaus Roman gibt als frühes literarisches Künstlerportrait eine Ahnung davon, welche furchtbaren inneren Erschütterungen van Gogh erlebt haben muss. Octave Mirbeau, wohl selbst ein faszinierender Mensch mit zahlreichen Facetten, kannte van Gogh, förderte ihn in seiner Funktion als Kunstkritiker und war einer der ersten Käufer seiner Bilder. Doch das Werk geht weit über ein Einzelportrait hinaus – es stellt die Frage, was Kunst vermag. Und damit stellt es im Grunde auch die universellen Fragen nach dem Wert der Schönheit und dem Sinn des Lebens.

Als der Schriftsteller „Diese verdammte Hand“ schrieb, befand er sich selbst, wie der Literaturwissenschaftler und Mirbeau-Experte Pierre Michel im Nachwort zu dieser Ausgabe schreibt, in einer existentiellen Krise, sah sich kreativ gescheitert und zur Unproduktivität verbannt. „Es ist kein Wunder, daß Diese verdammte Hand vom schwärzesten Pessimismus erfüllt ist.“ So ist Georges, der sensible Literat im Roman, wohl auch ein Selbstbildnis Mirbeaus. Und doch, so führt auch Pierre Michel an, gibt es trotz (oder gerade wegen?) der dem Buch innewohnenden Düsternis und Verzweiflung gute Gründe, es mit „Genuss“ zu lesen:

„Daß dieses Werk den Eindruck erweckt, nicht mehr »Kunst« zu sein, sondern »Leben«, wie Mirbeau über die Gemälde seines Freundes Claude Monet schreibt, ist darauf zurückzuführen, daß er es nicht überarbeitet, daß er es aus einem Guß geschrieben hat, ohne sich irgendeinem ästhetischen Maßstab zu unterwerfen. Nun, ist es nicht umso erstaunlicher, daß wir in dieser Geschichte, die von Verzweiflung gezeichnet ist, ein intensives Leben bewundern können, das »von Herrlichkeit erfüllt ist«?

In seiner Intensität lässt dieses kurze Buch keinen unberührt. Und vor allem eines ist gewiss: Man wird sowohl den Himmel über dem eigenen Lesehorizont als auch den Himmel in van Goghs Bildern danach nochmals mit anderen Augen betrachten.

Mirbeau selbst kämpfte sich aus seiner Existenzkrise heraus, findet Sinn im „vita activa“, im sozialen und politischen Engagement. Ein kurzes Portrait des Schriftstellers wurde anlässlich seines 100. Todestages im Februar 2017 beim SRF veröffentlicht:
https://www.srf.ch/kultur/literatur/beim-schreiben-und-duell-lehrte-er-seine-gegner-das-fuerchten

Eine der wenigen Erinnerungen im deutschsprachigen Feuilleton an einen Romancier, der von Leo Tolstoi bewundert und zu seiner Zeit in Deutschland viel gelesen wurde, dann aber lange vergessen wurde.

Wer des Französischen mächtig ist, findet umfassende Informationen auf dem Blog von Pierre Michel:
http://michelmirbeau.blogspot.de/

Und hierzulande macht sich der Weidle Verlag um die Erinnerung an Octave Mirbeau verdient.

2013 erschien dort der Reiseroman „628-E8”:
“Hier also das Tagebuch dieser Reise im Automobil durch einen Teil von Frankreich, Belgien, Holland und Deutschland und vor allem durch einen Teil von mir selbst. Ist das aber wirklich ein Tagebuch? Ist das überhaupt eine Reise? Sind dies nicht eher Träume, Träumereien, Erinnerungen, Impressionen, Erzählungen, die zumeist überhaupt keinen Bezug, keine sichtbare Verbindung zu den besuchten Ländern haben, sondern ganz einfach in mir eine Figur, der ich begegnet bin, erstehen oder wiedererstehen lassen, eine flüchtig gesehene Landschaft, eine Stimme, die ich meinte im Wind singen oder weinen zu hören?”

Und nun “Diese verdammte Hand” – mehr Informationen zum Buch hier:
http://www.weidleverlag.de/w/?page_id=188&bid=219

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