#VerschämteLektüren (13): Elementares Lesen in den Niederungen der Steinzeit

Petra ist mit ihrem Blog „Elementares Lesen“ für mich die Queen des Sachbuchs. Nicht nur, weil es in der deutschsprachigen Blogosphäre wohl kaum etwas Vergleichbares gibt. Sondern vor allem, weil sie es schafft, mit ihren Beiträgen selbst meine Aufmerksamkeit für Themen wie Biologie, Physik, Astronomie zu fesseln, bei denen ansonsten meine Konzentration schnell auf bodenlos tiefes Niveau sinkt. Petra hat  durch ihre anschaulichen und kompetenten Buchbesprechungen wieder einiges an Interesse bei mir geweckt. Darüber hinaus kommen bei ihren Sachbuch-Besprechungen auch andere Disziplinen zum Zuge – das zeigt ein Blick auf das erstaunliche Blogregister: https://elementareslesen.wordpress.com/sachbuch-archiv/ .

Wie sie es schafft, daneben noch ganz elementare #VerschämteLektüren zu lesen, ist mir ein Rätsel. Aber auch da hat sie was Feines zu bieten. Und nicht zuletzt hat das ja auch mit ihren Interessensgebieten zu tun – wird in vielen Sachbüchern doch ebenfalls hinreichend über die Entwicklung des Menschen und das Leben und Treiben unserer Vorvorvorvorvorfahren spekuliert:

„Die Aktion finde ich großartig! Es hat mir viel Spaß gemacht, meine Regale nach verschämten Lektüren durchzuchecken. Aber wie schon andere vor mir stelle ich fest, dass es keinen Grund gibt, sich zu schämen. Jedes noch so schlechte Buch hat seinen Zweck erfüllt, wenn es mich für eine gewisse Zeit in seinen Bann geschlagen oder mich einfach saugut unterhalten hat. Und nur durch die Lektüre „schlechter“ Bücher entwickelt man allmählich ein Gefühl dafür, was wirklich gute Literatur ausmacht. Gibt es eine bessere Ausrede?

Das Ergebnis meiner Suche:

Als der Heyne Verlag 2002 den fünften Band der Kinder der Erde-Saga von Jean Auel herausbrachte, wurden gemeinerweise auch die älteren Bände neu aufgelegt. Die alten Bände habe ich immer ignoriert, denn sie sahen extrem kitschig aus und ich hatte damals schon eine ausgeprägte Kitschallergie. Aber die Neuausgaben mit Höhlenzeichnungen auf dem Cover fand ich einfach zu schön! Schon beim ersten Band „Ayla und der Clan des Bären“ war ich fasziniert von dieser Geschichte aus der Steinzeit. Ayla, das Menschenkind, wird nach dem Verlust seiner Familie von einem Neandertalerclan aufgezogen. Dort bleibt Ayla aufgrund ihrer Andersartigkeit eine Außenseiterin, wird zur Heilerin ausgebildet, leidet unter den Angriffen einiger Clanmitglieder, schafft es aber zunächst, dort ihren Platz zu finden. Natürlich findet sie in den Folgebänden auch ihre große Liebe, aber wie so häufig in typischen Frauenromanen, verhindern endlose Missverständnisse ein glückliches Zusammenleben mit ihrem Geliebten. Das zieht sich bis Band 6 hin, den ich mir allerdings erspart habe. Bei Wikipedia habe ich folgendes Zitat gefunden: „Die häufige Beschreibung von Geschlechtsverkehr und Sexualität hat dazu geführt, dass der Romanzyklus von der American Library Association auf der Liste der 100 zwischen 1990 und 2000 am häufigsten zensierten Bücher steht.“  Gut, dass wir in Europa nicht so prüde sind, denn es war ja auch alles relativ authentisch, der Unterschied zwischen Neandertalern und modernen Menschen, die Lebensweise, die Jagdmethoden! So eine starke Frauenfigur, die ein Pferd, einen Löwen und einen Wolf zähmen kann und das Überleben in der rauen Natur erlernt, das hat mir imponiert.

Tja, und das andere Extrem sind die Vampirromane von Anne Rice, die einzigen Vampirbücher, die mich je interessiert haben. Da kann ich nicht mit historischer Wahrheit punkten. Die gefielen mir, weil sie so schön düster und melancholisch sind und eine eigene Welt schaffen, in der ich versinken kann. Was habe ich gelitten mit dem armen Louis, der von Lestat de Lioncourt zum Vampir gemacht wurde und es hasst, töten zu müssen. Ach, all die Ammenmärchen über Vampire, die man mit Sonnenlicht und Knoblauch bekämpfen kann. Hier steht, wie sie wirklich sind! Hier steht, wie schwer es ist, sich nach einem langen Schlaf in der Gegenwart zurechtzufinden und wie leicht wir Menschenfleisch zu täuschen sind. Und das alles ist so elegant erzählt.

Wenn ich noch länger suchen würde, fände ich bestimmt noch mehr geeignete Bücher, aber ich denke es reicht.“

Hier geht es zum Sachbuch-Blog „Elementares Lesen“: https://www.elementareslesen.de/

Bild zum Download: Steine

#VerschämteLektüren – Intermezzo. Aus dem Sätze&Schätze-Regal.

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Bild von Gina Janosch auf Pixabay

Noch mal eine tief hinten im Bücherregal und im Gedächtnis vergrabene literarische Jugendsünde. Aber was soll ich sagen? Ich war nicht allein. Alle hatten wir es. Und hat man sein Exemplar weitergegeben, dann kam aus einer anderen Ecke garantiert ein Neues zurück. In meinen Pubertätsjahren war es so obligatorisch, dieses Buch zu haben, wie die selbstgefärbte Stoffwindel am Hals, wie Latzhose und Indienrock im Schrank und die Picasso-Taube an der Wand. Und alle kannten wir Sätze wie diesen auswendig:
„Ein Softi ist ein Chauvi, der Kreide gefressen hat, nichts anderes.“
Ob`s geholfen hat? Nun, zumindest bei der Entwicklung eines besseren Lesegeschmacks. Denn es ist unterirdisch naiv geschrieben. Und auch das „literarische“ Kontra „Ich war der Märchenprinz“ muss man der Jugend heute nicht unbedingt in die Hand drücken. Die wesentliche Essenz lässt sich in einem Tweet zusammenfassen.
Zum vorhergehenden Intermezzo aus dem Regal des Blogs mitsamt Spiel- und Spaßregeln zu #VerschämteLektüren: http://saetzeundschaetze.com/2014/11/21/verschamte-lekturen-spiel-und-spasregeln/

#VerschämteLektüren (12): Peggy und ein „beschämender“ Büchertausch in Phnom Penh

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Viel Schmalz und kurzlebige Ehen hat Peggy zu bieten. Bild von Birgit Böllinger auf Pixabay

Wer England entdecken will, der ist bei Peggy wirklich in besten Händen. Auf ihrem Blog „entdecke england“ berichtet sie von Land und Leuten, Kultur und Natur, Geschichte und Geschichten und allerlei Bemerkenswertem – immer ergänzt durch wunderbare Fotos und persönlichen Anmerkungen, so dass man sich fast wie vor Ort fühlen kann beim Lesen. Very, very british – und mit viel Liebe zur Nation der Exzentriker. Und ihre #VerschämteLektüren haben natürlich auch mit einem der vielen, vielen Exzentriker auf dem englischen Thron zu tun…

Philippa Gregory: “The Other Boleyn Girl” und “The Boleyn Inheritance”

„Früher habe ich gerne historische Romane gelesen. Ich sage früher, nicht, weil ich heute nicht hin und wieder mal einen zur Hand nehme. Aber seit ich historische Sachbücher lese, was ich erst nach meinem Umzug nach England begonnen habe, werde ich immer kritischer. Und das verdirbt mir immer öfter den Spaß am Lesen. Viele historische Romane habe ich mittlerweile ausrangiert, aber von diesen beiden konnte ich mich noch nicht trennen.

Ja genau, hier geht es um die immer wieder faszinierende Geschichte von Henry VIII und seinen sechs Frauen. Das erste Buch wird aus der Perspektive von Mary Boleyn erzählt, Anne Boleyn’s Schwester und Geliebte des Königs. Im zweiten Buch erzählen abwechselnd Lady Jane Grey, Katherine Howard und Anne of Cleves über ihre Erfahrungen am Tudor-Hof. Die Bücher haben alles, was man von einem Schmöker erwartet: Liebe, Intrigen, Spannung, Verrat und natürlich jede Menge Hinrichtungen. Warum ich mich von den Büchern noch nicht trennen konnte, liegt aber vor allem daran, dass mich Philippa Gregory mit ihrer Erzählkunst gefühlt mit die Tudorzeit genommen hat. Altertümliche Redewendungen wie „breaking the fast“ statt „breakfast“ geben zumindest mir als Laien das Gefühl von Authentizität und nach den Beschreibungen mancher Hygienerituale hatte ich das dringende Bedürfnis, duschen zu gehen.

„The Boleyn Inheritance“ habe ich übrigens damals auf unserer Weltreise in einem Backpacker-Café in Phnom Penh gefunden. Um meine Schmach komplett zu machen, habe ich es gegen (wohlgemerkt ausgelesene) Kurzgeschichten von Herman Melville eingetauscht. Es hat mich einige Überzeugungskraft gekostet, bis die Cafébesitzerin bereit war, so ein dünnes Buch gegen ein dickes (obwohl es so dick auch wieder nicht ist) einzutauschen. So schätzt eben jeder den Wert von Büchern anders ein.“

Wer mit Peggy England kennenlernen möchte, der findet den Blog hier: https://sand-und-mehr.com/

Bild zum Download: Braut Karlsbrücke

#VerschämteLektüren (11): Die Beatgeneration und ihre Sudelbücher

Auf seinem Blog bukowski.space stellt Matthias die Schriftsteller vor, die die amerikanische Subkultur literarisch erfassten und prägten: Jack Kerouac, Allen Ginsberg, William S. Burroughs bis hin zum „dirty old man“ Charles „Hank“ Bukowski. Da meint man doch (jedenfalls ich als unverdorbenes bayerisches Landei), es könne keine verschämten Lektüren mehr geben. Aber nichts da – auch Matthias zieht was unter der Bank hervor:

Anders als Gerhard Emmer im vorigen Beitrag musste ich zum Thema #VerschämteLektüren nicht «eine Weile vor der Bücherwand stehen» und überlegen, was zum Thema passen könnte. Es sind eindeutig die Jerry Cotton Kriminal-Romane aus der Reihe des Bastei-Verlages, die ich in den 70ern unter der Schulbank konsumierte, weil sie zu Hause für einen Skandal gesorgt hätten. «Stehen» (ich gestehe: wie unter der Schulbank) würde auch allenfalls ich selbst, handelte es sich doch um eine Hefte einer Reihe, die schon rein physikalisch betrachtet keine Standfestigkeit aufwies und die heute nicht einmal in meinen «Archiven» zu finden sind, geschweige denn auf einem Regalbrett oder unter dem Küchentisch – obschon: ich habe nichts zu verbergen …

Heute ist «Jerry Cotton Classic» eine neue Reihe, in der teilweise lang verschollene Jerry Cotton-Romane aus der Frühzeit der Serie wieder dem Publikum zugänglich gemacht werden. Die Romane spielen in einer Zeit, in der Jerry und Phil noch geraucht, Hüte getragen und sich den einen oder anderen Whiskey genehmigt haben. Das Internet war damals genauso Zukunftsmusik wie Handys und Computer.

«Ab hier ermitteln Sie» – in den Krimiserien von Bastei (Shop, Leseprobe, Archiv):
http://www.bastei.de/indices/index_allgemein_209.html

Eine weitere Parallele zu Emmer steht im Raum. War es doch die Lektüre/das Vorlesen auf dem Hocker neben der Badewanne: Die Prosa des «dirty old man»  und den von Emmer ausgeklammerten «Naked Lunch», die eine Beziehung beendete (London 1997, begonnen mit «Alice’s Adventures in Wonderland»). Da traf der deutsche Fan des Andernacher Poeten auf die Frau, die es immerhin bis zur Hälfte des Zauberberges schaffte (meiner 11-fachen #nichtVerschämteLektüre) und dann aufgab.

Ich las weiter in den «Sudelbüchern» von Gernhardt u.a.:

«Die Schönheit gibt uns Grund zur Trauer, die Hässlichkeit erfreut durch Dauer.» (Aus: «Nachdem er durch Metzingen gegangen war» von Robert Gernhardt). Oder: Rettet die Welt vor schlechten Frisuren.

Und hier geht es zum Blog: http://bukowski.space/

#VerschämteLektüren (10): Burroughs? Selby? Céline? Bukowski? Ellroy? Jungs, lernt mal von Cecil Brown!

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Bild von Kurt Wiedwald auf Pixabay

Es gibt ja Nordlichter, die meinen immer noch, München sei nur die Weltstadt mit Herz, Schmerz, Nerz. Blau-weißer Schickimicki. Dass München aber auch ganze andere Saiten aufziehen kann (und das nicht nur musikalisch) und ganz andere Seiten hat, das zeigt Gerhard Emmer auf seinem Blog KULTURFORUM. Reinschauen lohnt sich nicht nur für Einheimische!

Gerhard bringt für die #VerschämteLektüren ein besonderes Schmankerl aus dem Greno Verlag (ebenfalls ein Stück Kulturgut aus Bayern, das es allerdings leider, leider nicht mehr gibt!):

Ich bin eine Weile vor der Bücherwand gestanden und habe überlegt, was zu dem Thema passen könnte. Mehrere Bücher sind in die engere Auswahl gekommen:

„Mauern“ von Hubert Selby (unter anderem: grauenvolle Vergewaltigungsszene!), „Naked Lunch“ von William S. Burroughs, sein Drogen-, Gewalt- und Psychopathen-Hauptwerk, dass ich offen gestanden aufgrund seiner vielen Handlungsstränge, Erzählebenen und der eingesetzten Cut-Up-Methode nie zur Gänze kapiert habe, oder auch irgendwas von Charles Bukowski. Auf alle Fälle sollte es etwas aus meinen Anfangsjahren als (ernsthafter) Leser sein (Karl May und Jules Verne kamen natürlich schon vorher dran…)  – und es war klar, es musste etwas aus der Abteilung „Schmutz und Schund“ sein, sonst hätte es ja nix Verschämtes (Heutzutage im gesetzten Alter lese ich selbstredend nur noch Qualitätsveröffentlichungen… ;-))).

Letztendlich bin ich bei folgendem Schmöker gelandet, er hat die von mir gestellten Anforderungen perfekt erfüllt:
Cecil Brown – Leben und Lieben des Mr. Jazzarsch Nigger (1987, Greno Verlag; Originaltitel, Erstveröffentlichung: The Life and Loves of Mr. Jiveass Nigger, 1969)
Kurzinfo zum Autor: *1943, Bolton, North Carolina; Afro-Amerikanischer Autor von Novellen, Short Stories und Drehbüchern; lebt in Berkeley, Kalifornien, wo er als Professor an der University of California unterrichtet.
Das Werk: Ein unsäglicher,  politisch völlig unkorrekter Schelmenroman über den schwarzen Schwerenöter und Vollzeitgigolo George Washington, der im Kopenhagener Exil jede Frau beschläft, die nicht bei drei auf den Bäumen ist. Dargebracht in einer unverblümten, mitunter extrem unflätigen Sprache, in den Schilderungen sexueller Praktiken ungeschönt und an etlichen Stellen geradezu pornographisch. Dabei flott zu lesen. Wenn es nicht in Dialogen in ausfallenden Gewaltausdrücken extrem zur Sache geht, ist das Werk durchaus literarisch anspruchsvoll geschrieben.  1969 von einem afroamerikanischen Literaten verfasst, schwingt der in den sechziger Jahren schwelende Rassenkonflikt innerhalb der US-amerikanischen Gesellschaft permanent als Rahmen, in den die Geschichte eingebettet ist, mit.
Welchen LeserInnen kann man das Buch ans Herz legen? Freunden der skandalträchtigen Kriminal-Romane des französischen Schriftstellers Boris Vian, Lesern der Krimis über die Harlem-Detektive Gravedigger Jones und Coffin Ed Johnson des afro-amerikanischen Autors Chester Himes, allen, die mit der grandiosen Menschheitsbeschimpfung „Reise ans Ende der Nacht“ des französischen Misanthropen  Louis-Ferdinand Céline glücklich wurden – und auch das Vertrautsein mit den Werken von Charles Bukowski und einem seiner größten Verächter, James Ellroy, kann auf keinen Fall schaden.
1987 im inzwischen aufgelösten Greno Verlag veröffentlicht und längst nicht mehr aufgelegt, aber über Antiquariate bzw. Amazon sicher noch als Second-Hand-Ausgabe zu beziehen.
„Ich schwör’s bei Gott, dieser Kerl, das ist das schlimmste Schandmaul, das die Welt gesehen hat, er hat bestimmt schon geflucht, als er auf die Welt kam; als seine Mutter, Miss Lillybelle Washington, diesen Heidenbengel in die Welt setzte, war gewiß das erste was er von sich gab ein Fluch, und die Hebamme und seine Mutter und wer da sonst noch rumstand, hat er wahrscheinlich erst mal angerotzt, weil sie ihn überhaupt rausgeholt haben, so einer ist das nämlich, mußt du wissen. Ich kenn‘ keine Menschenseele in der Gemeinde, die er nicht schon zur Sau gemacht hat, und auch keine Katze und keinen Hund. Aber der Herrgott wird über diesen Nigger kommen, wart’s nur ab, heimsuchen wird er diesen Nigger, und wie! Als er mir zum ersten Mal unter die Augen kam, da hat er meine Brüder angepöbelt, mitten auf der Straße, und ich hab‘ mich gefragt, was hat dieser Nigger da rumzupöbeln? Aber, hab‘ ich mir gedacht, das ist nun mal die Jugend, er ist ja noch jung, und dann war ich so idiotisch und hab den Idioten geheiratet.“ (…)
(Cecil Brown – Leben und Lieben des Mr. Jazzarsch Nigger, Prolog)
Hier geht es zum Blog KULTURFORUM: https://gerhardemmerkunst.wordpress.com/

#VerschämteLektüren (9): Asarhaddon + Sardur oder: Wir hatten ja nichts

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Glutäugige Prinzen vernebelten die Sinne von Schulmädchen. Bild von Maaark auf Pixabay

„Bei den Göttern, was du sagst, ist wahnsinnig. Wir schlafen mit unseren Sklaven, ja, aber doch nicht mit –“ Sardur versagte die Stimme und Schweiß stand ihm auf der Stirn, „– niemals mit einem Freund oder einem Ebenbürtigen“, beendete er heiser den Satz.
Asarhaddon lächelte überlegen. „Dann darfst du getrost deine Bedenken beiseite legen, denn wir sind ja weder Freunde noch bist du mir ebenbürtig.“

SCHON DAS KURZE ZITAT klingt vielversprechend – da steuern wir doch auf eine ECHTE Schmonzette hin. Zu verdanken haben wir dies Elisabeth Dietz vom BÜCHER Magazin. In den einschlägigen Social media-Kanälen besser bekannt als (ed) – schlagfertig, äußerst humorvoll und konstruktiv kritisch. Und wie der Kurzbeschreibung des Blogs zu entnehmen ist, neben Graphic Novels und Internetangelegenheiten auch zuständig für Hochliteratur sowie Abseitiges – und das beweist die „brillante Erzählerin“ (in der Tat!) auch bei #VerschämteLektüren:

„Kommt, Kinder, rückt näher ans Feuer. Nicht zu nah! Und gebt mir die Schnabeltasse. Nein, die andere! Doch, darf ich. Vor allem nachmittags. Der Dokter hat mir gar nichts zu sagen. Also. Als ich jung war, so richtig erbärmlich jung, war das Internet hierzulande weitgehend unbekannt. Richtig, das heißt: kein Youporn. Leider auch kein Scarleteen. Kein Tumblr. Tja.

Im Sachkundeunterricht lehrte man uns die Unterleibsmechanik von Menstruation, Zeugung und Geburt. Psychologisch relevante Informationen bezogen wir aus einem Aufklärungsbuch, das meine Mutter mir aus den Fünfzigern heruntergereicht hatte („Dass ein Mädchen eine junge Frau geworden ist, erkennt man daran, dass sie zu ihrer Freundin nicht sagt ‘Dein Hut gefällt mir nicht!‘, sondern ‘Dein anderer Hut gefällt mir besser!'“) und zerfledderten Ausgaben der Coupé, die wir unter den Matratzen von Jugendherbergsbetten fanden. Das nicht vollkommen heterosexuelle Kind orientierte sich an Carsten und Käthe aus der „Lindenstraße“ und Billy und Andrea aus dem „Marienhof“. Nichts hatten wir.

Dann fand Karo Kaltschnee, die immer wacher und weiter war, in der Bibliothek des Gymnasiums „Der König von Assur“ von Jutta Ahrens. Der Text ging durch die sechsten Klassen wie ein Feuer durch eine Scheune im Hochsommer mittags um halb zwei. Ähem.

„Der König von Assur“ spielt 660 vor Christus und erzählt die Geschichte des assyrischen Herrschers Asarhaddon. Der Mann ist anmutig, sarkastisch und höchster Priester des grausamen Gottes Aschschur, dem zu Ehren er Sklaven und Kriegsgefangene tagelang raffiniert zu Tode foltert. Der Plot – hm. Stellt euch Schlachten vor, brennende Städte, Staatsoberhäupter, die einander damit drohen, die Straßen des jeweils anderen mit den Häuten der Bevölkerung zu pflastern, und die Pest. Und Sex. Sex in Palästen, Pferdeställen und Seuchenhäusern, Sex in Gefangenschaft, in der Wüste und in brennenden Städten. 846 Seiten Sex und Gewalt, rauschhaft, ausufernd, getragen von einer ungeheuren Liebe zum Detail.

Ob uns das erschreckt hat? Pustekuchen! Wir schlugen einen Porno auf und sahen eine Romanze. Asarhaddon ist ein Monster auf der Suche nach Liebe, wir waren elf, wir fühlten mit ihm. Auf Seite 458 begegnet er Sardur, einem stolzen, dunkeläugigen churritischen Prinzen, und die Beziehung dieser beiden ist so flackernd wie die von Billy und Andrea niemals hätte werden können. (Obwohl Andrea Billy einmal in einer heißen Sauna einschloss, ich glaube, aus Eifersucht. Es wurde aber niemand verletzt.) „Asarhaddon + Sardur“ schrieb ich in meine Schulhefte. „Asarhaddon + Sardur, Asarhaddon + Sardur, Asarhaddon + Sadur“. All die Nebenfiguren, die Jutta Ahrens so detailverliebt aufschlitzt, verbrennt, zertrümmert, pfählt, häutet und in heißem Öl erstickt, interessierten mich nicht, die Sinnlichkeit der Folterszenen beunruhigte mich erst viel später.

Ein Buch, das innerhalb weniger Wochen von sämtlichen Kindern eines Jahrgangs ausgeliehen wird, erregt Aufmerksamkeit. Eines Tages war „Der König von Assur“ verschwunden. Der zuständige Lehrer beantwortete die Frage nach seinem Verbleib mit einem gemeinen Lächeln. Zwei Tage später verschwanden auch „Das Schwert der Amazone“ und „Die Frauen von Isis“ von Marion Zimmer-Bradley. Die Frage nach ihrem Verbleib beantworteten wir mit einem gemeinen Lächeln. Beide Bücher sind hier. In meinem Regal. Sicher ist sicher.“

Zur Internetseite des BÜCHER Magazin geht es hier lang: http://www.buecher-magazin.de/
Und zum Blog da: https://buechermagazin.wordpress.com/
Und nicht zuletzt auch bei Facebook: https://www.facebook.com/buecher.magazin

#VerschämteLektüren (8): Normans lässliche Jugendsünden und literarische Abwege

In den Notizheften von Norman geht es kulturell überaus gepflegt zu: Beiträge über Bücher, Musik, Geschichte, Politik, überwiegend aus dem Bereich der klassischen Literatur, der Oper, es fallen unter anderem die Namen von Goethe, Thomas Mann, Max Weber, Fontane und anderen Geistesgrößen. Doch auch der Weg zur Hochkultur kann mit Schmonzetten gepflastert sein, wie Norman in der Beschreibung seiner literarischen Abwege zeigt:

Ich bekenne, als Kind und Jugendlicher alles Mögliche gelesen zu haben, aber keine bedeutende Literatur. Aus einfachen Verhältnissen stammend, war mein Lesehunger an sich für die Familie schon überraschend. Also las ich geschlechterrollenprägende Schneider Bücher – genau: Die Jungen von Schloß Schreckenstein – und das Gesamtwerk Karl Mays. Ich verschlang alles von Agatha Christie und sämtliche Schullektüren.

Dann lernte ich, dem Gymnasium sei Dank, Goethe und Schiller ebenso kennen wie Böll und Brecht, Günter Eich und Theodor Fontane, Emile Zola und Madame de Staël. Die Bücherregale in unserer Wohnung nahmen nun also auch Bücher solcher Autoren auf; dazu allerlei Historisches. Mit achtzehn Jahren subskibierte ich ein fünfzehnbändiges Lexikon.

Aber dazwischen standen eben auch Omas und Mutters Schmonzetten und – wohlverdiente! – Entspannungslektüren. Hier erinnerte ich mich, als Birgits Anfrage kam, sogleich an Susan Howatch, die dort mit „Die Erben von Penmarric“ und „Die Reichen sind anders“ bis heute vertreten ist. Das zweite ist eine Familiensaga mit reichlich Mondänität und dezent-direkten Sexanteilen, Liebe, Haß, Eifersucht, Gier, etc. Aber toll! Dachte ich zumindest früher mal. Ich weiß nicht, ob es mir beim Wiederlesen noch oder erneut gefallen würde. Möglicherweise nimmt man, älter geworden, andere Elemente stärker wahr, etwa den Erzählstrang über die Epilepsie der männlichen Hauptfigur, oder erkennt den Bezug zu Cäsar und Cleopatra.

Erstaunlich ist ja, daß mir sofort dieses Buch eingefallen ist, um es hier, unter dieser Überschrift vorzustellen. Allein um das herauszufinden, sollte ich das Buch noch einmal lesen. Dabei könnte ich dann auch überprüfen, ob es wirklich schlecht geschrieben, einfach nur Massenware oder vielleicht doch ganz gut ist.

Recherchen haben mir jetzt gezeigt, daß Howatch jahrzehntelang eine echte Produzentin von mehrbändigen Sagas, Zeit- und Sittenbildern war. Im Jahr 2012 wurde sie vom Hope College ausgezeichnet; auf der dortigen Seite findet man auch eine nette Würdigung.

Und hier geht es zu den Notizheften von Norman: http://notizhefte.wordpress.com/

Titelbild zum Download: Zirkus

#VerschämteLektüren (7): Bitte übernehmen Sie, Sophie!

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Wohlfühlbücher statt verschämter Lektüren. Bild von Ylanite Koppens auf Pixabay

Sophie von den Literaturen ist für ihre treffsichere Lektürewahl und tollen Buchempfehlungen ebenso bekannt wie für ihr vielseitiges Engagement: Vor allem die Independent-Verlage und die unabhängigen Buchhandlungen kommen auf ihrem Blog ganz groß raus. Aber auch sie greift manchmal zu Büchern aus einer ganz anderen Leseecke – es darf auch mal schön leicht sein. „Wohlfühlschmöker“ sind für Sophie solche Bücher:

So wirklich verschämt habe ich keines meiner Bücher gelesen. Ich würde mich auch in die Öffentlichkeit mit ihnen begeben, ich würde sie sogar empfehlen. Trotzdem sie sich einer ziemlich lesbaren und flotten Sprache ohne große Stolpersteine bedienen. Keine hohe Literatur, sondern was für Herz, kalte Winterabende, Kannen voll Tee und die nicht ganz so literarischen Momente.

Rachel Joyce ist so eine Autorin, die einem selbst mit ganz tragischen Themen immernoch ein gutes Gefühl gibt, so geschehen in ,Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry‘ und (für mich) noch mehr in ,Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte‘. Einfach Wohlfühlschmöker wie man sie eben manchmal braucht, wenn die Schokolade aus und kein Wein mehr da ist. Oder so.

Ähnliches trifft auf Kathryn Stocketts ,Gute Geister‘ zu, das als ,The Help‘ ja auch irgendwie schmusig (im Sinne von gefällig) verfilmt wurde. Da gibt’s noch wahren Idealismus und Mut und Freundschaft und Liebe angesichts aller Ungerechtigkeit. In diesem Falle der Rassentrennung und Diskrimierung in den 60ern, ausgerechnet in den Südstaaten. Ich empfehle das immer wieder gern, weil man danach das Gefühl hat, man könnte doch ein bisschen Hoffnung in die Welt und ihre Bewohner investieren, es würde irgendwann schon alles gut, wenn man hart genug dafür kämpfe.

Außerdem sei an Stellen wie diesen für mich immer Flavia de Luce genannt, die ich abgöttisch liebe. So richtig altbackene Krimis mit ganz pikantem Dreh – die Ermittlerin ist ja schließlich ein zwölfjähriges Chemie-Genie. Quasi: Wie wäre Miss Marple wohl gewesen, wenn man sie als Kind in ein Chemielabor gelassen hätte? Die Fälle spielen in den 50ern auf dem irgendwie düsteren Familienanwesen bzw. im angrenzenden Bishops Lacey, es gibt zickige Schwestern und Haushälterinnen, die schlecht kochen, aber doch so unglaublich herzlich sind. Einen traumatisierten Butler und jede Menge ironische Seitenhiebe. Flavia macht einfach Spaß!

Hier geht es zur Blogseite der Autorin: http://literatourismus.net/

#VerschämteLektüren (6): Die Verschämung kam nach dem Drittgedanken

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Bild von Elias Sch. auf Pixabay

Ganz begeistert bin ich von einer Entdeckung neueren Datums in der Blogosphäre: Bei Drittgedanke, den Sonja mit vielen erstklassigen Gedanken füttert, findet man richtige Schätze zu Kunst, Musik und Literatur außerhalb des Mainstreams. Aber zur Leichtigkeit des Lebens gehört eben doch manchmal auch die Seichtigkeit des Lesens. Und da hat Sonja nach dem dritten Gedanken darob bei sich doch noch eine kleine Schwäche entdeckt:

„Menschen, Tiere, Sensationen – derzeit spielt sich Sonderbares ab auf Sätze und Schätze: Unter dem Hashtag #VerschämteLektüren darf man dort endlich ungestraft der Freude an seinen aufs Allerheimlichste verschwiegenen Lieblingen frönen, was reihenweise Stoßseufzer auslöst und gekiekste Kommentare provoziert. Ich bin schon jetzt Fan dieser Rubrik; speziell der liebevolle Beitrag von Buchpost über James Herriot, Der Doktor und das liebe Vieh löste einen hartnäckig anhaltenden und vom herbstlichen Gemütlichkeitswahn unterstützten Britishness-Anfall bei mir aus. Bezüglich eigener verschämter Lektüren äußerte ich mich in meiner unendlichen Hybris anfangs reichlich naiv: Gibt´s nicht. Peinliche Lieblingslieder? Schuldig, reihenweise – dazu stehe ich problemlos. Filme fürs Herz? Zerknirschtes Ja, allerdings mit Seltenheitswert. Heimlicher Hang zu nostalgischen Kitsch-TV-Serien? Volltreffer! Aber Banal-Literatur? Niemals. Dann jedoch kam das Thema Historischer Roman auf den Tisch und mir schwante die Fehlerhaftigkeit meiner Selbsteinschätzung.

Der Name Ingrid Krane-Müschen steht für atemlose Spannung vor mittelalterlicher Kulisse, heimlich ins Spitzentaschentuch verdrückte Tränen der Rührung und der Trauer, mitreißende Plots im schottisch-englischen Adelsmilieu und unüberwindliche Schicksalshürden, die mit Liebe und Edelmut schließlich doch überwunden werden. Bevor sich nun jemand in Spott und Häme angesichts meiner Lieblingsschmonzettenautorin ergeht, sollte er sicherheitshalber zunächst im eigenen Regal nach ihrem Künstlernamen Ausschau halten, unter dem sie sich so erfolgreich verkauft, dass ich schlechterdings unmöglich allein mit ihren Büchern dastehen kann: Rebecca Gablé.

An langen Winterabenden oder während des beruflichen Pendelns zwischen Buchhandlung und Zuhause ließ ich mich von ihrer vieltausendseitigen Waringham-Saga vollkommen hingerissen einlullen. Als Unterhaltungsmittel taugt diese Lektüre ungemein, Frau Krane-Müschen/Gablé beherrscht ihr Handwerk souverän, gestaltet lebendige Charaktere und Settings, produziert keine Längen, verknüpft die Kapitel mit kunstvollen Cliffhangern und baut trickreich Spannung auf. Für mich ist und bleibt sie die unangefochtene Königin des historischen Schmökers.

Die Familiengeschichte der Waringhams erstreckt sich über mehrere Generationen, beginnend im Jahr 1360 mit Stammvater Robin of Waringham, der in Das Lächeln der Fortuna die angekratzte Familienehre wiederherstellen muss. Als Sohn des ehemaligen Earls ist er den Schikanierungen durch Mortimer, den Sohn des neuen Earls, ausgesetzt und muss sich seinen Weg zurück in den Adels- und Ritterstand unter selbstredend größten Entbehrungen abenteuerlich erkämpfen. Angesichts solch hartnäckigen Edelmuts bleiben entflammte Damenherzen nicht aus. Weiter geht es in Die Hüter der Rose. Dort büxt John of Waringham, Sohn Robins,  aus Angst davor zwecks klerikale Karrierevorbereitungen ins Kloster gesteckt zu werden von Zuhause aus und setzt sich nach Westminster ab, wo er zufällig König Harry begegnet. Eine Freundschaft mit dem Königshaus, eine glanzvolle Laufbahn als Ritter während des Hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich sowie zahlreiche amouröse Verwicklungen sind damit vorgezeichnet. In Das Spiel der Könige müssen sich die Waringham-Sprösslinge Julian und Blanche im Konflikt zwischen den Adelshäusern York und Lancaster für eine Seite entscheiden und geraten in fiese Intrigen, hundsgemeine Machtspielchen und dramatische Verwirrungen des Herzens. Im vierten Band, Der dunkle Thron, stellen die machtpolitischen Auswirkungen der Reformation den Waringham-Erben Nick vor die knifflige Aufgabe seine Familie durch kluge Bündnispolitik auf die sichere Seite zu bringen – Querelen des Herzens und Vater-Tochter-Konflikte sabotieren dabei einige seiner Bemühungen.

Neben der Waringham-Saga hat Rebecca Gablé einen meterbreiten Schwung weiterer nur wärmstens zu empfehlender Historienschinken verfasst. Wie sonst auch, wenn ich beim Beitragsbild auf Ersatzabbildungen ausweiche (in diesem Fall musste es unbedingt diese betörende Rossetti-Postkarte sein), habe ich das besprochene Buch inzwischen entweder weiter verliehen oder selbst wieder zurückgegeben. Dass ich nicht einen einzigen Gablé-Roman für ein Beitragsbild vor meine Linse bekommen habe, liegt in folgendem Mechanismus begründet: Sobald ich mich dabei hatte erwischen lassen, eine neue Gablé zu lesen, wurde sie mir – teilweise noch während ich die letzten drei Sätze unter Kampfanstrengungen zu Ende las – von Gablé-hungrigen Bestien aus den Händen gerissen, so dass ich froh bin, heute noch alle zehn Finger zu besitzen. Meine Mutter war die einzige unter den Raublesern, die vorher immerhin höflich um Leiherlaubnis gefragt hat. Auch Männer gehören zu den Ausleihern, in deren Regalen in einer verschämten Ecke sich nun meine Gablés finden, die ich wohl nie wieder zurückbekommen werde.

Der Winter kommt. Deckt Euch ein mit ein paar Pfund Earl Grey, kramt die Blümchentassen heraus, backt ein paar Scones und stellt das Telefon ab. Ich gebe zu, ich schäme mich gar nicht so ehrlich dafür, mir diesen Schmus gegeben zu haben – ich würd´s wieder tun.“

Und hier geht es zum tollen Blog der Autorin: http://drittgedanke.wordpress.com/

#VerschämteLektüren (5): Die Druckschrift und der Tränendrüsendruck. Und Katzen auch.

Wer Bücher über Bücher, Werke über das Buchmachen, über „Buchmacher“, Buchdrucker, Buchkünstler, Bildbände über Bibliotheken oder auch Bücher von Buchhändlerinnen kennenlernen möchte, der ist bei Ingrid vom Blog Stift und Schrift in den besten Händen. Ihr Blog ist – um es verkürzt zu beschreiben – spezialisiert auf das Buch rund ums Buch. Und eine wirklich seriöse Informationsquelle. Aber auch Ingrid hat nicht nur Wissenswertes auf Lager, sondern durchaus auch #VerschämteLektüren im Regal. Unter anderem ein Buch, das mich selbst in jungen Jahren die eine oder andere Packung Papiertaschentücher gekostet hat – *schluchz*.

Hier ihr Beitrag:

„Nein, das soll keine Entschuldigung sein. An den Inhalt von „… denn der Wind kann nicht lesen“ des englischen Autors Richard Mason kann ich mich nur noch vage erinnern. Es ist schon etliche Jährchen her, dass ich diesen Roman gelesen habe. Ich weiß aber noch sehr gut, dass er mich ungemein gerührt hat und ich viele Tränen vergossen habe. Wahrscheinlich hat das Buch deshalb in meinem Regal „überlebt“.

In wenigen Worten zusammengefasst, wird die in Indien spielende Liebesgeschichte des britischen Fliegeroffiziers Michael Quinn, der japanische Gefangene verhören muss, und der japanischen Sprachlehrerin Hanako erzählt – eine Beziehung, die tragisch endet. Schluchz.

Gern gelesen habe ich seinerzeit – ich muss eine Asien-Phase gehabt haben – auch „Suzie Wong“ vom selben Autor. Dieser Roman spielt im Hafenviertel von Hongkong und schildert die Beziehung eines Malers zu einem Barmädchen. Das Buch hat mir aber offenkundig nicht so viel wie „… denn der Wind kann nicht lesen“ bedeutet; eines Tages musste „Suzie“ jedenfalls aus Platzgründen weichen.

Würde ich die beiden in den 40er bzw. 50er Jahren entstandenen Romane heute noch einmal lesen (dazu habe ich aber keine Lust), würde mich neben den Liebesgeschichten auch interessieren, ob es darin offene oder versteckte politische Botschaften gibt; etwa wie das Auftreten von Europäern Asiaten gegenüber geschildert oder welches Frauenbild vermittelt wird – Aspekte, die mir in meinen jungen Jahren entgangen sein mögen, für die ich aber heute wesentlich sensibler bin.

Viel, viel später in meinem Leben wurde durch Akif Pirinçci’s „Felidae“ ein wahrer Boom an Katzenkrimis ausgelöst. Ich war dabei, und Kater DJ begeistert sich noch heute dafür – schließlich ist der berühmt gewordene „Francis“ sein großes Vorbild. „Felidae“ ist mir ein wichtiges Buch insofern geworden, als es mich für das Thema „Tierversuche“ sensibilisiert hat. Und spannend war es auch. Von „schlechtem Buch“ oder „verschämter Lektüre“ kann in diesem Fall also keine Rede sein.

Aber:
Im Schlepp von Pirinçcis Erfolg erschienen dann zahlreiche Romane, in denen Katzen erfolgreiche Kriminalisten waren oder sonstwie im Zentrum der Geschichten standen; manche davon waren Klasse, wie zum Beispiel Remo Forlani’s „Die Streunerin“, andere aber waren wirklich nur leichte Lektüre „für zwischendurch“, also das, was Birgit gern „Flutschbücher“ nennt; das zeigt sich auch daran, dass ich neben den beiden positiv erwähnten Titeln heute nur noch zwei weitere Bücher mit Katzen als Helden im Regal stehen habe.“

Und hier geht es zum Blog der Autorin: https://stiftundschrift.com/