#StadtWeiterDenken: Neu-Ulm schreibt Stadtschreiberstelle aus

Ein Chronist und juristischer Berater, oftmals an der Spitze der Stadtverwaltung stehend – das war der Stadtschreiber in früheren Zeiten. Heute definiert sich die Position anders: als zeitlich befristetes Stipendiat, das es einer Autorin oder einem Autor ermöglicht, eine Stadt während eines festgelegten Zeitraums mit frischem Blick literarisch zu durchleuchten und kulturelle Akzente zu setzen.

Ein Fluss, zwei Städte: Blick vom bayerischen Ufer, von Neu-Ulm aus, auf das Ulmer Münster. Bild von Hans Braxmeier auf Pixabay

Neu-Ulm ist eine Stadt, in der das Neue einen besonderen Stellenwert genießt. Traditionsbewusst, aber offen für den Wandel. So präsentierte sich die Stadt 2019 aus Anlass des 150jährigen Jubiläums der Stadtwerdung unter dem Slogan Wir leben Neu! Ein Bestandteil war die Einrichtung der 1. Neu Ulmer Stadtschreiberstelle. Im Jahr 2022 möchte die Stadt Neu Ulm daran anknüpfen und richtet die Stelle zum zweiten Mal ein. Der Slogan dazu; #StadtWeiterDenken

Die Stadt Neu Ulm ist ein lebendiges Oberzentrum mit zahlreichen Angeboten in Stadt und Umland, die durch ein vielfältiges Bildungsangebot, zahlreiche innerstädtische Grünflächen, moderne Architektur und „kurze Wege“ für alle Generationen attraktiv ist. Die Nähe zur Natur, die kulturelle Vielfalt und das durch die Donau gewachsene Bewusstsein, in einem europäischen Kontext zu leben, machen Neu Ulm als Stadt der Übergänge zu einem Ort, an dem Urbanität sich durch das Annehmen neuer Herausforderungen definiert. Wie muss die Stadt der Zukunft aussehen? #StadtWeiterDenken freut sich auf Ihre Vision.

Für drei Monate hat ein in deutscher Sprache schreibender Autor bzw. eine Autorin die Möglichkeit, in der jungen Stadt am bayerischen Donauufer zu leben und zu arbeiten.
Insbesondere werden solche Autoren und Autorinnen angesprochen, die sich mit den Wechselbeziehungen von Kultur, Literatur und Zeitgeschichte befassen und das Potential
der Stadt und Region vor dem Hintergrund des historischen Erbes in ihre Arbeit integrieren möchten. Der Stadtschreiber/die Stadtschreiberin soll für die Dauer des Aufenthaltes ein integraler Bestandteil im Kulturleben sein. Er bzw. sie soll in dieser Zeit ein Werk schaffen, das einen erkennbaren Bezug zur Stadt Neu Ulm und ihrem Umland darstellt. Das Charakteristikum der Stadt soll gerade auch mit Blick auf die Zukunft auf hohem Niveau literarisch reflektiert werden.

Jedwede Unterstützung bei Recherche und Materialgenese durch die Stadt und städtische Einrichtungen ist vorgesehen. Durch den freien Zugang zu allen städtischen Kultureinrichtungen wie auch die Möglichkeit sich aktiv am regionalen Kulturleben zu beteiligen, kann der Stadtschreiber/die Stadtschreiberin intensiv in das Sozial- und Kulturleben der Stadt eintauchen und sich für die Arbeit von der Dynamik der Stadt einnehmen lassen. Eine Möglichkeit dazu bieten verschiedene Neu-Ulmer Literaturreihen. Auch wäre ein Beitrag beim regionalen Literaturfestival „Literaturwoche Donau“ denkbar, etwa in Form eines „Werkstattgespräches“ oder durch Teilnahme an Gesprächsrunden. Zudem ist die Erstellung von Kurzbeiträgen für den Stadtschreiberblog wünschenswert.

Alle Informationen und Modalitäten für interessierte Bewerber finden sich hier: https://www.wir-leben-neu.de/stadtschreiberstelle

Drei Autorinnen – drei Bücher: Barbara Miklaw — BücherFrauen

Diesen Monat stellt uns die Verlegerin Barbara Miklaw grenzübergreifend Bücher aus den unterschiedlichsten Bereichen vor: von Kinderbüchern über georgische bis zu brasilianischer Literatur, ergänzt durch Deutschsprachiges. Statt Literaturwissenschaft, wie eigentlich gewollt, studierte Barbara Miklaw Wasserbau an der TU Dresden und … Weiterlesen →

Drei Autorinnen – drei Bücher: Barbara Miklaw — BücherFrauen

Vom singenden Tresen bis zu „Peng Peng Parker“: Die Literaturwoche Donau 2021 ist ein Fest für alle Sinne

Ein Fest für alle Sinne – für Augen, Ohren, aber vor allem aber für den Verstand: Dies verspricht sie erneut zu werden, die Literaturwoche Donau. Im Grunde sind es über zwei Wochen, bei denen die unabhängige Literatur aus ganz besonderen Verlagen in der Donaustadt im Mittelpunkt steht. Von Samstag, 31. Juli bis Dienstag, 17. August erwartet das Publikum ein Programm, das einen Mix aus Bekanntem und Neuem, Debütantinnen und „alten Hasen“, ernster Literatur und feiner Lyrik, schrägen und schwarzhumorigen Texten und mitreißenden Performances bietet.

Die Literaturwoche Donau 2021, kurz LiWo 2021, setzt wie gewohnt einen Fokus auf den „Indie-Bereich“: „Wir bieten eines der ganz wenigen Literaturfestivals, die sich nicht auf die großen Namen des Literaturbetriebs und marktführenden Verlage stützen, sondern die ganz bewusst die reiche Vielfalt der unabhängigen Verlagsszene feiern“, sagt Autor Florian L. Arnold. Er und Rasmus Schöll, Inhaber der Aegis Buchhandlung Ulm, riefen 2013 genau für diesen Zweck die Literaturwoche ins Leben. Der Erfolg gab ihnen mit ihrem ungewöhnlichen Konzept recht: Jahr für Jahr zog die „LiWo“ mit ihren außergewöhnlichen Lesungen an außergewöhnlichen Orten – selbst der Turm des Ulmer Münsters wurde dafür bestiegen – mehr und mehr Publikum an. Auch überregional wurde die LiWo zum Anziehungspunkt für Literaturinteressierte. „Wenn Leute für eine Lyriklesung Schlange stehen, dann heißt das schon was“, so Rasmus Schöll.

Es war denn auch für die ehrenamtlich tätigen Organisatoren einer der schwersten Momente, als 2020 wegen Corona das fertig geplante Festival abgesagt werden musste. „Wir wollten wunderbare neue Bücher der unabhängigen Verlagsszene, die es im Coronajahr ohnehin nicht eben leicht hatten, mit Leidenschaft vorstellen“, bedauert Florian L. Arnold, „jetzt starten wir eben mit neuem Elan und Zuversicht in die LiWo 2021.“

Und das Programm hat es in sich: Zum Auftakt kommen am Samstag, 31. Juli, die Schriftsteller Manja Präkels, die für ihren Debütroman „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ 2018 unter anderem mit dem Anna Seghers Preis ausgezeichnet wurde, und Markus Liske mit ihrem Musikprojekt „Der singende Tresen“. Ihr Abend „Das seid ihr Hunde wert!“ ist eine wunderbare Hommage an den lebenslustigen Dichter und Revolutionär Erich Mühsam, der von den Nationalsozialisten erschlagen wurde.

Danach folgen weitere bekannte und preisgekrönte Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus der Indieszene, talentierte Debütanten, leise Lyriker und viel Musik. Bis zum furiosen Ende der LiWo 2021 mit der Lyrikerin Nora Gomringer und Jazz-Musiker Philipp Scholz am Dienstag, 17. August. Mit „Peng Peng Parker“ widmen sich die beiden der 1893 geborenen und 1967 in New York gestorbenen Dichterin, Dramatikerin und Werbetexterin Dorothy Parker, die sowohl für ihre messerscharfe Zunge als auch für ihren enormen Alkoholkonsum bekannt wurde. Sie schrieb über die Liebe und das Leben, seufzend und lachend, immer trinkfest. Das New York der 1920er Jahre ist ohne sie undenkbar.

Das Plakatmotiv entwarf der Künstler und Illustrator Joachim Brandenberg (Offenbach). http://joachimbrandenberg.de/

Der Corona-Situation angepasst werden alle Lesungen, soweit es die Witterung möglich macht, unter freiem Himmel angeboten. Sollte das Wetter nicht mitspielen, finden die Veranstaltungen im Cabaret Eden in Ulm (Karlstraße71) statt. Das Festival wird durchgehend ehrenamtlich organisiert. Dennoch verzichten die Macher auf feste Eintrittspreise. „Jeder soll die Veranstaltungen besuchen und Kultur genießen können, unabhängig vom Einkommen – dies erscheint uns gerade in Coronazeiten sehr wichtig“, betont Arnold. Spenden an den Abenden oder direkt an den Trägerverein, den Literatursalon Donau e.V., sind dagegen höchst willkommen. Die Literatuwoche wird präsentiert vom Literatursalon Donau in Zusammenarbeit mit der Aegis Buchhandlung und dem Topalian & Milani Verlag. Ermöglicht wird das Festival durch die Förderung der Stadt Ulm und der Museumsgesellschaft Ulm. Mit etwas Sorge blicken die Organisatoren daher auf die kommenden Jahre: “Wir werden sehen, wie sich Corona auf die kommunale Förderung der Kultur und unsere Veranstaltung auswirken wird“, so Arnold, „wir werden dafür einstehen, dass auch Literatur abseits des Mainstreams ihren öffentlichen Platz erhält.“

Den hat sie auf jeden Fall im Rahmen der LiWo 2021. Alle weiteren Informationen zu den Veranstaltungen finden sich im Programmflyer beziehungsweise auf der Homepage www.literatursalon.net

Den Programmflyer mit allen Terminen und ausführlichen Infos gibt es zum Download hier – bitte gerne Weiterreichen!

Von Glaubwürdigkeit und der schlimmstmöglichen Wendung — Wortspiele: Ein literarischer Blog

Zu „Die Verabschiebung“ von Joachim Zelter Ein Asylantenheim Man wünschte sich, es wäre „nur“ ein Roman. Doch auch wenn diese Genrebezeichnung auf dem Cover des Buches steht und Joachim Zelter, sein Autor, in einer klugen Vorbemerkung darauf hinweist, dass die Geschichte eine Fiktion sei, so will man es, je weiter man liest, bald nicht mehr […]

Von Glaubwürdigkeit und der schlimmstmöglichen Wendung — Wortspiele: Ein literarischer Blog

Telegramme für Literatur

Über ein Interview mit Daniela Engist, deren zweiter Roman „Lichte Horizonte“ in wenigen Tagen beim Kröner Verlag erscheint, wurde ich nun auf die wunderbaren „Telegamme für Literatur“ und den erst 2019 gegründeten Telegramme Verlag aufmerksam.
2016 begann das Schweizer Schriftstellerpaar Dana Grigorcea und Perikles Monioudis mit dem Telegramme-E-Magazin, drei Jahre später folgte der Verlag.

Schon das Wappentier ist ein Kunstwerk, aber auch die Auswahl der Bände zeugt vom ästhetischen Feinsinn der beiden Herausgeber. Das Paar wird von Gallus Frei-Tomic in seinem literaturblatt.ch – ebenfalls eine sehr empfehlenswerte Adresse für Bibliophile – vorgestellt.

Die Liste der Autorinnen und Autoren, die bislang im Telegramme-E-Magazin Originalbeiträge veröffentlicht haben, ist beeindruckend: Unter anderem schrieben hier bereits Rolf Lappert, Nora Bossong, Terézia Mora, Hildegard Keller, Franz Hohler und Franzobel, um nur einige zu nennen.

In der Rubrik „Entre nous“ werden sieben feststehende Fragen an die Schreibenden gestellt.
Daniela Engist erzählt dabei von der Entstehung ihres Romans „Lichte Horizonte“, von den Themen und Diskursen, die sie interessieren, von der Erwartung an die Rezeption des Buches: „Nein, jeder kann es lesen, wie er will, es bietet hoffentlich genug Lesarten, um nicht in einer Schublade zu landen. Nur mit dem Etikett «Frauenliteratur» würde ich mich schwertun.“


Weiterführende Links:
Telegramme: https://www.neue-telegramme.ch/
Daniela Engist: https://www.daniela-engist.de/

Neues aus dem Büro

Es war zwar etwas ruhiger in der Weihnachtszeit, aber gelesen wurde dennoch – und so habe ich mich über einige schöne Besprechungen gefreut:

In der Frankfurter Rundschau wurde „Fuíoll Fuine“ – also „Die Asche des Tages“, erschienen im Kröner Verlag, vorgestellt: https://www.fr.de/kultur/literatur/airti-o-cadhain-die-asche-des-tages-soll-er-nicht-doch-mit-dem-grabstein-anfangen-90148156.html. Alexander Kluy stellte Máirtín Ó Cadhain und die Romane von Eimar O`Duffy, ebenfalls im Kröner Verlag erschienen, in der Buchkultur vor. Einen Blick auf das Frühjahrsprogramm mit der ersten Edition Hubert Klöpfer kann man hier werfen: https://www.book2look.com/book/98T3MHi8ch

Theres Essmann, die sich über ein Stipendium des Landes Baden-Württemberg freuen kann, wurde dazu in SWR 2 interviewt. Ihr Debüt wurde zudem im WDR besprochen. Und Sabine Ibing hat den Roman „Federico Temperini“ ebenfalls gelesen: https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/federico-temperini-von-theres-essmann.html#-1

Bei Petras Bücher-Apotheke und bei Schillerbuch finden sich schöne Besprechungen des „Andrin“ von Martina Altschäfer, erschienen im Mirabilis Verlag. Aus diesem Verlag stammt auch die Novelle „Die Zeit so still“ von Florian L. Arnold, die auf Renies Lesetagebuch begeistert besprochen wurde. Und der MDR wird das Buch in der nächsten Sendung „Unter Büchern“ vorstellen.

Eine wunderbar einfühlsame Rezension gab es zum Haiku-Band „goldfüchse im schnee und leise lacht ein faun“ aus dem Mirabilis Verlag durch Kerstin Fischer: https://lyrikatelierfischerhaus.com/2021/01/12/goldfuchse-im-schnee-und-ganz-leise-lacht-ein-faun-janette-burkle-petra-c-erdmann/

Viel Aufmerksamkeit für ihren Debütroman „Mutters Puppenspiel“ erhielt die Verhaltenstherapeutin Ulla Coulin-Riegger, die ihr Romanthema – die verheerende Wirkung narzistisscher Elternteile auf ihre Kinder – in einem Fachbeitrag für den Spiegel aufarbeitete.
Anton Philipp Knittel urteilt bei literaturkritik.de: „Mutters Puppenspiel ist ein geschickt konstruierter, literarisch unprätentiöser Roman mit mehrfachen und gebrochenen Spiegelungen der Figuren. Coulin-Rieggers Debüt über fragile Identitäten ist zudem ein Text über Frauen- und Männerbilder, über bewusste und unbewusste Zuschreibungen. Mutters Puppenspiel ist zugleich eine Erzählung über misslingende Kommunikation zwischen den Geschlechtern und den Generationen sowie über deren Erwartungen und Bedürfnisse.“
https://literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=27490

Informationen zu den erwähnten Büchern finden sich hier: https://birgit-boellinger.com/bucher/