Die Rolle, der Status, der Schriftstellern in der Literatur zugeschrieben wird, messen sich posthum auch an der Zahl von Neu- und Wiederveröffentlichungen in einem Jubiläumsjahr. Meist kommt diese Ehre den Klassikern zuteil – doch es auch gibt diese Ausnahmeerscheinungen in der Literatur der Moderne, deren Einfluss bereits zu Lebzeiten spürbar wird, deren Werk alles auf den Kopf stellt, was die Literatur bis dahin zu bieten hatte und alles überstrahlt.
Friederike Mayröcker, über die ich unlängst schon einen Beitrag von Schriftsteller Theo Breuer veröffentlichen durfte, gehört in diese Kategorie.
Und Rolf Dieter Brinkmann: Vor 50 Jahren verstarb Brinkmann, 1940 in Vechta geboren, viel zu früh bei einem Autounfall in London – er wurde beim Überqueren einer Straße vor einem Pub (bezeichnenderweise vor „The Shakespeare“) von einem Fahrzeug erfasst. Er hinterließ ein Werk, mit dem er insbesondere die Lyrik radikal erneuerte. Sein posthum erschienener Gedichtband Westwärts 1 & 2 wurde mit dem Petrarca-Preis ausgezeichnet und ist einer der prägendsten Lyrikbände unserer Tage. Dass dieser Gedichtband nun eine Neuauflage erfuhr, in der auch Gedichte aus dem Nachlass erstveröffentlicht sind, die Brinkmann ursprünglich für den Band vorgesehen hatte, ist eine der erfreulichen Nebenerscheinungen dieses Gedenkjahrs aus traurigem Anlass.
Schriftsteller Theo Breuer hat alle Neuerscheinungen zum Brinkmann-Jubiläum gelesen: Seine persönliche Auseinandersetzung mit diesem Schriftsteller, den man getrost Kultdichter nennen darf, erschien in einer Art Lesetagebuch, das selbst Zeugnis ist von einer „wahnsinnigen“ Literaturleidenschaft und einem unstillbaren Riesenhunger auf geschriebene Sprache.
Der Beitrag „Bücher – Brinkmann – Beispiele“ erschien zunächst in der Literaturzeitschrift Matrix (Ausgabe 2/2025). Ich freue mich sehr, dass Theo Breuer in mir für eine Zweitveröffentlichung hier zur Verfügung gestellt hat.
