Bücherhamstern (25): Única blickt aufs Meer

Sarah Käsmayr vom MaroVerlag stellt einen Roman aus Costa Rica vor: »Única blickt aufs Meer« von Fernando Contreras Castro.

Das Buch:

Auf einem Hügel am Rande der Hauptstadt San José lagert das schlechte Gewissen der Stadt: die Mülldeponie Río Azul. Sie hat sich mit der Zeit in ein albtraumhaftes Müllmeer verwandelt, an dessen Küste alles Mögliche angespült wird: Schulbücher, ungeliebte Weihnachtsgeschenke, nutzloser Tand, alte Männer, Pärchen, Mütter und Söhne. Auf dieses Meer blickt Única. Sie lebt in der Gemeinschaft der sogenannten »Taucher«, die inmitten der Abfälle einer ressourcenverschwendenden Gesellschaft ihre prekäre Situation meistern. Doch angrenzende Nachbarschaften sind unglücklich über die Müllhalde und Präsident Caldegueres plant, sie zu schließen. Die »Taucher« beginnen sich zu widersetzen und demonstrieren bis vor den Sitz des Präsidenten. Der Roman ist ein Mahnmal gegen Verteilungsungerechtigkeit und Umweltverschmutzung, wird jedoch getragen von einer poetischen Erzählsprache und liebevollem Humor. Seit Jahrzehnten ist Contreras Castros Buch Schullektüre in Costa Rica – klangvoll übersetzt von Birgit Weilguny kann sich jetzt jeder die Größe Únicas und ihrer Taucherfreund_innen auch in deutscher Sprache zu Gemüte führen.

Der Verlag:

Der MaroVerlag begann 1970 in kleinsten Auflagen als eine subkulturelle Plattform für Autor_innen, die vom elitären Literaturbetrieb (noch) nicht beachtet wurden. Als 1974 Charles Bukowski zum Verlag kam, veränderte sich alles: Aus einem Feierabendverlag wurde ein kleines, feines Unternehmen, das 2020 sein 50jähriges Bestehen feiert. Prosa und Lyrik reichen sich im MaroVerlag die Hand – neben Romanen bilden Kurzgeschichten bzw. »Stories« den verlegerischen Schwerpunkt. Die Vielfältigkeit des Programms zeigen zum Beispiel die Besprechungen auf dem Blog von der Lyrik Philipp Luidls und Lisel Muellers, ein Roman von John Fante, die Kurzgeschichten von Susanne Neuffer, das Gedichte-Comic-Kunstbuch von Lydia Daher und Warren Craghead II und der Debütroman von Yvonne Hergane.

Die Buchhandlung:

Von zwei Frankfurter Buchhandlungen erreichte uns eine besonders große Begeisterung über den Roman von Fernando Contreras Castro. Larissa Siebicke von der Autorenbuchhandlung Marx & Co hat den Roman auf kommbuch.de besprochen. Ein Besuch im Westend nahe der Universität ist wohltuend, denn hier wird literarische Unabhängigkeit gehegt, gepflegt und gefeiert.

Geht man von der Autorenbuchhandlung weiter, am Eschenheimer Tor vorbei in die Altstadt, findet man die Büchergilde Buchhandlung & Galerie. Das Sortiment ist ein Genuss für bibliophile Ästheten,  neben ausgewählter Belletristik und Bilderbüchern aus kleinen, unabhängigen Verlagen, werden Graphic Novels, Lyrik, Krimis sowie Kinder- und Jugendbücher angeboten. Empfehlenswert: Der Literaturkurier der Büchergilde Buchhandlung. Oliver Fründt hat in diesem Newsletter »Única blickt aufs Meer« vorgestellt – für ihn ein »überwältigender, sagenhaft beeindruckender Roman« – ein Exemplar ist dort gewiss vorrätig.

Informationen zum Buch:

Fernando Contreras Castro: Única blickt aufs Meer. Roman, übersetzt aus dem costa-ricanischen Spanisch von Birgit Weilguny, Hardcover, 144 Seiten, 20 Euro, 978-3-87512-492-7, MaroVerlag, www.maroverlag.de

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