KRÖNER VERLAG: Eimar O’Duffy – King Goshawk und die Vögel

»Hast du jenen Abend vor langer Zeit in meines Vaters Garten vergessen, als wir Hand in Hand dem Lied der Nachtigallen lauschten? Und als ich sagte: ›Welch trauriger Gedanke, dass überall auf der Welt so viele Vögel singen, die ich niemals hören werde.‹ Und als du antwortetest: ›Geliebte, wenn ich erst meine Herrschaft angetreten habe, werden dir alle Singvögel auf der ganzen Welt gehören.‹«

Ein Mann ein Wort – King Goshawk hat Guzzelinda alle Singvögel der Welt versprochen, und die soll sie auch bekommen. Warum er das kann? Weil der der reichste Mann der Welt ist. Wer fortan ein Vögelchen singen hören will, muss dafür bezahlen. Nur einem geht das gründlich gegen den Strich, und der, da von den Menschen keine Hilfe zu erwarten ist, ruft einen sagenhaften irischen Krieger herbei, der antritt, um die Singvögel – und die Welt – zu retten.

So beginnt Eimar O’Duffys sprachmächtige, wütende Satire auf eine Welt, die uns immer bedenklicher bekannt vorkommt, je weiter der Roman voranschreitet. Dass dieser Roman schon 1926 veröffentlicht wurde, ist kaum zu glauben. Dass er erst jetzt wiederentdeckt und auch erstmals ins Deutsche übersetzt wurde, dagegen schon, denn O’Duffy war seiner Zeit so deutlich voraus, dass es fast wirkt, als hätte er hellsehen können. Wiederentdeckt und kongenial übersetzt von Gabriele Haefs.

Douglas Adams lässt grüßen
Bezeichnet wird das Werk als Missing Link zwischen Jonathan Swift und Flann O’Brien (Auf
Schwimmen-zwei-Vögel) – warum hier der Name Douglas Adams nicht fällt? Tatsächlich erinnert King Goshawk immer wieder so stark an Per Anhalter durch die Galaxis, dass alle, die noch immer sehnsüchtig einer Fortsetzung nachtrauern, sich hier über einen Ahnherrn freuen dürfen. Köstliche Unterhaltung ist in jedem Fall garantiert.

Eimar Ultan O’Duffy (1893–1935) wurde in Dublin geboren und studierte dort und in Lancashire. Zunächst Mitstreiter, dann Kritiker der irischen Unabhängigkeitsbewegung,
torpedierte er die Pläne für den Osteraufstand von 1916, indem er dem Chef der Irish Volunteers, der gegen jede gewaltsame Intervention war, verriet, dass er für die darauffolgende Woche geplant sei, woraufhin alle Aktionen der Volunteers abgesagt wurden. 1925 ging O’Duffy nach England. Als Mann zwischen allen Stühlen starb er 1935 in einem Vorort von London.

Gabriele Haefs ist eine der bekanntesten Übersetzerinnen Deutschlands (u.a. von Jostein Gaarder, Håkan Nesser, Anne Holt). Sie wurde u.a. mit dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis ausgezeichnet, 2008 mit dem Sonderpreis für ihr übersetzerisches Gesamtwerk, 2011 mit dem Königlich-Norwegischen Verdienstorden.

Informationen zum Buch:

Eimar O‘ Duffy
King Goshawk und die Vögel
Alfred Kröner Verlag, Stuttgart, 2019

Stimmen zum Buch:

„Eine sensationell hellsichtige, kühne, sprachgewaltige, wildkomische und bitterböse Gesellschaftssatire.“ – Gitta List, Magazin Schnüss

„Mit diesem Roman gelingt es dem Kröner-Verlag erneut, in Deutschland eher unbekannte irische Autoren vorzustellen, deren Werke ein Lesegenuss sind und die uns zum Nachdenken anregen.“ – Joachim Schwend, Kreuzer Leipzig

„Bigotterie, Propaganda, Politiklügner, Kriegstreiber – staunenswert aktuell ist dieser gallige Roman des irischen Außenseiters.“ – Alexander Kluy, Buchkultur

„Dieser Roman ist durch und durch politisch und extrem provokant. Satirisch? Keine Frage und irgendwie auch verbittert, vielleicht auch desillusioniert.“ – Petra Kuhn, Petras Bücherapotheke

„O’Duffy war nicht nur ein visionärer Sozialkritiker, sondern auch als Schriftsteller seiner Zeit weit voraus.“ – Stefan Härter, Bookster HRO

Ein Beitrag im Rahmen meiner Pressearbeit für den Kröner Verlag.

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